Jüdischer Student verklagt FU Berlin wegen mangelnden Antisemitismus-Schutzes
Elias HofmannProzess gegen Universität - Verhandlung wird fortgesetzt - Jüdischer Student verklagt FU Berlin wegen mangelnden Antisemitismus-Schutzes
Ein jüdischer Student der Freien Universität Berlin hat rechtliche Schritte gegen die Hochschule eingeleitet, weil diese ihn nach seinen Angaben nicht ausreichend vor Antisemitismus geschützt habe. Der 36-jährige Lahav Shapira reichte beim Verwaltungsgericht Berlin Klage ein und wirft der Universität vor, zu wenig gegen Diskriminierung und Feindseligkeiten in Berlin unternommen zu haben. Der Fall wird nun vor Gericht verhandelt; die ersten Anhörungen begannen am 6. Januar 2026.
Shapiras Klage folgt auf einen gewaltsamen Übergriff im Februar 2024, als er von einem ehemaligen Kommilitonen, Mustafa A., angegriffen und verletzt wurde. Das Amtsgericht Tiergarten stufte die Tat später als antisemitisch motiviert ein und verurteilte den Angreifer zu drei Jahren Haft.
In seiner Klage wirft Shapira der FU Berlin vor, gegen das Berliner Hochschulgesetz verstoßen zu haben, indem sie ihre Pflicht vernachlässigt habe, jüdische Studierende in Berlin zu schützen. Die Universität weist die Vorwürfe zurück und verweist auf ihre bestehende Antidiskriminierungsrichtlinie sowie eine eigens eingerichtete Stelle für Diversität und Antidiskriminierung in Berlin. Das Verwaltungsgericht Berlin wird den Fall am 26. Februar 2026 weiter prüfen. Dabei soll bewertet werden, ob die getroffenen Maßnahmen der Universität ausreichten oder weitere Schritte notwendig sind, um Antisemitismus auf dem Campus entgegenzuwirken.
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Frage, ob die FU Berlin ihren gesetzlichen Verpflichtungen zum Schutz jüdischer Studierender vor Diskriminierung in Berlin nachgekommen ist. Das Urteil wird zeigen, ob die Universität strengere Schutzmaßnahmen ergreifen muss. Der Ausgang des Prozesses könnte richtungsweisend dafür werden, wie deutsche Hochschulen künftig mit Beschwerden über Antisemitismus in Berlin und anderen Städten wie München und Freiburg umgehen.
