Kieler Tradition: Warum die Bäckerei Kühl seit Jahrzehnten überzeugt
Elias Hofmann
Kieler Tradition: Warum die Bäckerei Kühl seit Jahrzehnten überzeugt
Die Bäckerei Kühl liegt an der Ecke des Andreas-Hofer-Platzes, als gehöre sie schon immer dazu. Kein prunkhaftes Schild, keine grellen Werbetafeln – einfach eine Bäckerei, die seit Jahren zum morgendlichen Ritual der Kieler gehört. Während Filialbäckereien alle paar Jahre aufpoppen und sich neu erfinden, bleibt man hier bei den Basics: frische Brötchen vor Sonnenaufgang, tägliches Brot und ab und zu eine Torte für einen Geburtstag oder Jahrestag. Stammkunden überlegen nicht lange – sie schauen einfach auf dem Weg zur Arbeit für ein Brötchen vorbei oder gönnen sich nachmittags ein Stück Bienenstich, wenn der Zuckerspiegel sinkt.
Der Laden selbst gibt sich keine Mühe, zu beeindrucken. Keine aufwendige Dekoration, keine Spielereien. Nur der Duft von gehendem Teig und das leise Summen der Auslagentheke. Drinnen findet man die üblichen Verdächtigen: Roggenmischbrot mit der knusprigen Kruste, Croissants, die tatsächlich nach Butter schmecken, und welche Gebäckstücke gerade Saison haben. Im Dezember gibt es Stollen und Zimtsterne, im Sommer dominiert der Streuselkuchen. Doch der Rhythmus bleibt stets gleich. Morgens ist der Andrang groß – Leute holen sich ihr Frühstück, bevor um 13 Uhr geschlossen wird. Dann öffnet man wieder von 15 bis 18 Uhr (oder bis 17 Uhr an Donnerstagen und Freitagen) für die Nach-Schicht-Kundschaft, die Abendbrötchen oder eine spontane Süßigkeit mitnimmt.
Auch Sonderanfertigungen wie Tortes gehören zum Angebot, auch wenn man es nicht auf den ersten Blick erkennt. Jürgen Kühl, dessen Name über der Tür steht, kümmert sich meist um solche Anfragen – Hochzeitstorten, Geburtstagskuchen, alles, was die Kunden brauchen. Keine Preisliste, keine Speisekarte. Man ruft einfach an und fragt.
Die Bewertungen – 4,1 Sterne von über 80 Leuten – zeigen, dass die meisten zufrieden sind, auch wenn nicht jeder begeistert ist. Manche schwören auf das Sauerteigbrot, andere maulen gelegentlich über den etwas trockenen Käsekuchen. Doch für eine Bäckerei, die halbkonkurrenzlos überdauert hat, ist das wohl ganz normal.
Zu finden ist sie unter Andreas-Hofer-Platz 13, gleich abseits der Holstenstraße. Die meisten Tage öffnet man um 6 Uhr morgens und schließt am frühen Nachmittag, am Wochenende bleibt geschlossen. Wer etwas Bestimmtes sucht, sollte vorher anrufen. Keine Website, keine Online-Bestellung – nur eine Telefonnummer, die man im örtlichen Branchenbuch findet. Und ehrlich gesagt? Genau das ist irgendwie der Punkt.

