EU-Mercosur-Abkommen schafft größte Freihandelszone der Welt – Thüringen sieht Chancen für Unternehmen
Lara BraunMinister: Mercosur Deal Gut für Thüringen - EU-Mercosur-Abkommen schafft größte Freihandelszone der Welt – Thüringen sieht Chancen für Unternehmen
Das EU-Mercosur-Handelsabkommen, das Europa und Südamerika miteinander verbindet, ist von den Mitgliedstaaten genehmigt worden und bildet nun die größte Freihandelszone der Welt. Mit über 700 Millionen Menschen in der Bevölkerung zielt das Abkommen darauf ab, Zölle abzubauen und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und Südamerika zu stärken. Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John sieht in diesem Pakt neue Chancen für die Unternehmen der Region.
Das Abkommen ist das Ergebnis jahrzehntelanger Verhandlungen, in denen Anpassungen vorgenommen wurden, um Bedenken hinsichtlich landwirtschaftlicher Importe zu zerstreuen. So wurden Obergrenzen für den Import südamerikanischer Agrarprodukte in die EU festgelegt, was die Sorge vor einer Marktüberflutung etwas mildert. Boos-John räumte ein, dass Landwirte in Thüringen und darüber hinaus protestiert hätten, da sie um die Konkurrenz durch günstigere Importe fürchten. Gleichzeitig betonte sie, dass es sich nicht um eine vollständige Liberalisierung handelt – vielmehr sind Schutzmechanismen vorgesehen, um europäische Produzenten vor zu starken Preiseinbrüchen zu schützen.
Darüber hinaus soll das Abkommen die wirtschaftliche Abhängigkeit der EU von China und den USA verringern. Thüringen erhofft sich insbesondere besseren Zugang zu wichtigen Rohstoffen wie Lithium, die für Branchen wie die Elektroauto-Produktion unerlässlich sind. Boos-John erklärte, dass die Region Südamerika in den letzten Jahren etwas vernachlässigt habe, aber nun die Beziehungen wieder aufbauen wolle. Um neue Möglichkeiten zu erkunden, wird Thüringen Ende 2026 eine Delegation in die Mercosur-Region entsenden. Die Gruppe wird Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien besuchen – alle Mitgliedsländer des Blocks seit Boliviens Beitritt in diesem Jahr. Das Ziel der Reise ist es, Partnerschaften zu vertiefen und Wachstumschancen im Rahmen des Abkommens zu identifizieren.
Durch das Mercosur-Abkommen werden Handelsbarrieren abgebaut und europäischen Exporteuren – darunter auch Unternehmen aus Thüringen – neue Märkte eröffnet. Obwohl Landwirte skeptisch bleiben, enthält das Abkommen Schutzklauseln, um Marktverwerfungen zu vermeiden. Für Thüringens Wirtschaft könnte der Pakt neue Handelswege, den Zugang zu Schlüsseltechnologien und die Möglichkeit bieten, sich über die traditionellen Partner hinaus zu diversifizieren.
