Wie Kieler mit ambulanter Pflege länger in den eigenen vier Wänden bleiben
Elias Hofmann
Wie Kieler mit ambulanter Pflege länger in den eigenen vier Wänden bleiben
Der ambulante Pflegedienst der Johanniter-Unfall-Hilfe liegt an der Preetzer Straße, nicht weit entfernt von den belebteren Straßen Mettenhofs. Seit Jahren leistet er hier eine Arbeit, die selten Schlagzeilen macht – er hilft Menschen, in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben, statt in eine Pflegeeinrichtung umziehen zu müssen. Vielleicht ist es eine ältere Person, die Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme braucht, jemand, der sich von einer Operation erholt, oder eine Familie, die versucht, die langfristige Pflege eines Angehörigen zu organisieren. Das Team springt dort ein, wo es nötig ist – ohne das Leben der Betroffenen unnötig auf den Kopf zu stellen.
Kein großes Schild, keine auffällige Werbung markiert das Büro in der Preetzer Str. 304 – nur eine schlichte Tür. Der Großteil der Arbeit findet nicht in klinischen Räumen statt, sondern direkt in den Wohnungen der Hilfsbedürftigen. Offiziell hat der Dienst unter der Woche von 9 bis 13 Uhr geöffnet, doch die Pflege endet nicht mit den Bürostunden. Pflegerinnen und Betreuer planen ihre Einsätze nach Bedarf: mal ein kurzer Kontrollbesuch am Morgen, mal ganztägige Schichten rund um die Uhr. Wie der Dienst außerhalb dieser Zeiten funktioniert, ist von außen nicht sofort erkennbar – doch die Nutzer scheinen zu bekommen, was sie brauchen.
Hier ist von „ganzheitlicher Pflege“ die Rede – ein Begriff, der oft nach Marketing klingt, hier aber tatsächlich Inhalt hat. Es geht nicht nur um Verbandswechsel oder Blutdruckmessen. Das Team betrachtet das große Ganze: Wie bewegt sich jemand im Alltag? Wie geht es ihm psychisch? Und vermittelt bei Bedarf Ärzte, Therapeuten oder Sozialarbeiter. Für Familien, die im Chaos der Alten- oder Behindertenpflege zu ertrinken drohen, kann diese Unterstützung ein Rettungsanker sein. Natürlich läuft nicht immer alles perfekt. In Online-Bewertungen wird das Personal teils als herausragend gelobt, anderes Mal werden die üblichen Probleme genannt, wenn Ressourcen knapp sind.
Die Kieler Niederlassung gehört zu den Johannitern, einer protestantischen Hilfsorganisation mit langer Tradition in Deutschland. Vor Ort arbeiten sie mit der Diakonie Schleswig-Holstein zusammen, einer weiteren kirchlichen Einrichtung – doch um die Dienste in Anspruch zu nehmen, muss man nicht gläubig sein. Das lokale Team wirkt überschaubar: Pflegekräfte, geriatrische Betreuer, einige Mitarbeiter für Versicherungsfragen und Pflegepläne. Doch sie wissen, was sie tun.
Wer sich informieren möchte, kann werktags vormittags im Büro vorbeischauen, anrufen oder die Website besuchen. Wie bei vielen Gesundheitseinrichtungen hängt es wohl davon ab, wie ausgelastet das Team ist, wie schnell man eine Rückmeldung erhält. Ambulante Pflege ist keine Wunderlösung – das ist sie nie –, aber für Kieler, die ihr selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden erhalten wollen, ist sie eine der wenigen Optionen, die nicht den Umzug in ein Heim bedeuten. Und in einer Stadt, in der Wohnraum und Gesundheitsversorgung stets knapp sind, ist das etwas wert.

