03 April 2026, 22:05

Warum deutsche Firmen trotz Personalmangels an Löhnen sparen – und sich selbst blockieren

Eine Liniengrafik, die die Beschäftigungsquote in den Vereinigten Staaten mit begleitendem erklärendem Text zeigt.

Warum deutsche Firmen trotz Personalmangels an Löhnen sparen – und sich selbst blockieren

Viele deutsche Unternehmen haben weiterhin Schwierigkeiten, Personal zu finden – doch nur wenige haben in den letzten Jahren klare Schritte unternommen, um mehr Lohntransparenz oder Gehaltsvergleiche einzuführen. Stattdessen rückt der Fokus auf die kommenden EU-Vorgaben zur Entgelttransparenz, die im Juni 2026 in Kraft treten sollen. Studien deuten gleichzeitig darauf hin, dass niedrige Löhne und zögerliche Anpassungen die Personalengpässe in vielen Branchen verschärfen.

Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass Unternehmen Löhne oft zu niedrig ansetzen, um Bewerber anzuziehen, und zögern, diese Fehler zu korrigieren. Die Zurückhaltung rührt unter anderem daher, dass eine spätere Lohnkürzung kaum möglich ist – die Firmen fürchten, dann mit höheren Kosten sitzenzubleiben. Besonders kleine und mittlere Betriebe tun sich schwer mit der Einschätzung angemessener Gehälter, was die Stellenbesetzung verzögert und sie letztlich zwingt, höhere Löhne zu bieten.

Die Wirtschaftstheorie liefert eine scheinbar einfache Lösung: Die Löhne müssten einfach an die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt angepasst werden. Benjamin Friedrich, Associate Professor für Strategie an der Kellogg School of Management, argumentiert, dass ein fairer Preis von selbst Angebot und Nachfrage ausgleichen sollte. Dennoch bleiben Unternehmen vorsichtig – vor allem bei weniger zentralen Positionen oder wenn der Pool an Fachkräften räumlich verstreut ist.

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Überraschenderweise haben besonders schnell wachsende Firmen die größten Rekrutierungsprobleme – und nicht, wie erwartet, langsamer expandierende Betriebe. Im Januar 2026 gaben 88 Prozent der kleinen Unternehmen an, kaum oder gar keine qualifizierten Bewerber zu finden. Viele scheuen sich zudem, höhere Löhne auszuschreiben, um Forderungen nach Gehaltserhöhungen seitens der bestehenden Belegschaft zu vermeiden. Ohne bessere Instrumente zur Gehaltsanalyse dürften sich diese Engpässe weiter verschärfen.

Die anstehende EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz wird Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern verpflichten, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede offenzulegen. Breitere Gehaltsvergleiche bleiben jedoch die Ausnahme – viele Firmen müssen ihre Personalprobleme weiterhin ohne belastbare Daten lösen.

Fehlende Lohntransparenz und zögerliche Lohnanpassungen verlängern die Personalnot in zahlreichen Betrieben. Mit den neuen EU-Regeln könnte bald Druck auf die Unternehmen zukommen, ihre Berichterstattung zu verbessern. Bis dahin dürften sich die Einstellungsprobleme weiter hinziehen – vor allem für kleinere Firmen, die kaum Zugang zu professionellen Gehaltsanalysen haben.

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