05 April 2026, 10:05

EU-Reform des Emissionshandels: Chemiebranche erhält mehr kostenlose CO₂-Zertifikate ab 2026

Plakat mit Text und Logo, das "Wir reduzieren die Treibhausgasemissionen um etwa eine Gigatonne bis 2030" verkündet und für eine signifikante Reduzierung der Treibhausgase bis 2030 wirbt.

EU-Reform des Emissionshandels: Chemiebranche erhält mehr kostenlose CO₂-Zertifikate ab 2026

Die Europäische Union hat zentrale Änderungen an ihrem Emissionshandelssystem (ETS) im Rahmen einer umfassenden Reform finalisiert. Die Anpassungen sollen Branchen mit hohen Energiekosten entlasten, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren. Zu den Maßnahmen gehört, dass die chemische Industrie künftig mehr kostenlose CO₂-Zertifikate entsprechend ihrer Produktionsmengen erhält.

Die Reformen folgen monatelangen Debatten, in denen Wirtschaftsführer und Politiker einen Ausgleich zwischen ökologischen Zielen und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit forderten. Die Europäische Kommission wird ihre ETS-Reformvorschläge offiziell an diesem Mittwoch vorstellen. Eine zentrale Neuerung ist die dauerhafte Abschaffung der Streichung von Zertifikaten im Rahmen der Marktstabilitätsreserve (MSR). Dieser Schritt soll die CO₂-Preisbildung stabilisieren und Unternehmen mehr Planungssicherheit bieten.

Eine weitere wichtige Anpassung betrifft speziell die chemische Industrie: Die Referenzwerte für kostenlose CO₂-Zuteilungen werden gelockert, rückwirkend ab den Zuteilungen für 2026. Die Änderung erfolgte nach massivem Druck von Großkonzernen wie BASF sowie politischen Akteuren, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ziel ist es, Werksschließungen und Abwanderungen durch sinkende Energie-kosten zu verhindern.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Branchenvertreter wie Evonik-Chef Christian Kullmann hatten zuvor radikale ETS-Reformen oder gar eine Abschaffung des Systems gefordert. In einem gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese verfassten Gastbeitrag für das Handelsblatt plädierte Kullmann für pragmatische Lösungen und kluge Kompromisse. Der Artikel betonte die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit während des Übergangs zu grüneren Politiken zu wahren.

Nichtregierungsorganisationen kritisieren die Verlängerung der kostenlosen Zuteilungen und warnen vor einer Schwächung der Klimabemühungen. Die Kommission hingegen versichert, die Reformen würden die langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken, ohne den Umweltschutz zu gefährden.

Zu den Anpassungen gehört auch eine Neujustierung der Referenzwerte, um die aktuelle Produktionsrealität widerzuspiegeln. Dies soll die finanzielle Belastung der Chemieunternehmen verringern, sie aber gleichzeitig im Einklang mit den EU-Klimazielen halten.

Die ETS-Reformen sehen vor, dass die chemische Industrie ab 2026 mehr kostenlose CO₂-Zertifikate erhält. Die dauerhafte Abschaffung der MSR-Streichungen und die Anpassung der Referenzwerte zielen darauf ab, die Kosten zu senken und die Verlagerung von Produktionsstätten zu verhindern. Die Vorschläge der Kommission gehen nun in die nächste Phase der Prüfung und Umsetzung.

Quelle