12 April 2026, 06:05

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausbeutung bleibt trotz Forderungen nach Reformen ungebrochen

Plakat mit fetter schwarzer Schrift "Landwirtschaftliche Arbeit Stromversorgung" auf weißem Hintergrund, umrandet von einem schmalen schwarzen Rand, mit einer Grafik eines Hofes mit einem Traktor und einem Stall.

Saisonarbeiter in Deutschland: Ausbeutung bleibt trotz Forderungen nach Reformen ungebrochen

Saisonarbeiter in Deutschland leiden unter anhaltender Ausbeutung

In der deutschen Landwirtschaft sind Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeiter weiterhin massiver Ausbeutung ausgesetzt – mit Berichten über illegale Lohnabzüge, extreme Arbeitszeiten und unsichere Bedingungen. Zwar halten sich nicht alle Betriebe an die Regeln, doch strukturelle Missstände prägen weiterhin den Agrarsektor. Nun fordern Gewerkschaften und Interessenverbände strengere Schutzmaßnahmen auf nationaler und EU-Ebene.

2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte auf deutschen Höfen beschäftigt, wobei genaue Zahlen und Herkunftsländer oft unklar bleiben. Viele leisten überlange Arbeitszeiten – in manchen Fällen bis zu 70 Stunden pro Woche. Andere sehen sich illegalen Abzügen von bis zu 1.000 Euro ausgesetzt, während steigende Akkordvorgaben zu mehr Unfällen führen.

Die Durchsetzung der Arbeitsgesetze bleibt schwach: 2024 fanden lediglich 274 Kontrollen in Betrieben statt. Der gesetzliche Mindestlohn bietet kaum Schutz, wenn die Überwachung so lasch ist. Gleichzeitig fordert der Deutsche Bauernverband eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte.

Um die Ausbeutung zu bekämpfen, startet die Initiative Faire Agrararbeit mehrsprachige Kampagnen, um Arbeiter bereits in ihren Heimatländern vor der Ankunft in Deutschland zu informieren. Gewerkschaften drängen zudem auf grenzüberschreitende Beratungsnetzwerke auf EU-Ebene, um mobile Arbeitskräfte zu unterstützen. Doch jüngste politische Änderungen – etwa die Verlängerung sozialversicherungsfreier Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage – lassen viele Arbeiter ohne grundlegende Absicherung zurück.

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Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) könnte eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung dieser Missstände spielen. Diskutiert werden Kürzungen von Subventionen für Betriebe, die gegen Arbeitsrecht verstoßen – konkrete Maßnahmen fehlen jedoch noch.

Die Abhängigkeit der Landwirtschaft von Saisonarbeitern setzt die Beschäftigten weiterhin der Gefahr von Ausbeutung aus. Angesichts schwacher Kontrollen, ausgeweiteter Ausnahmen und anhaltender Lohnverstöße werden die Rufe nach grundlegenden Reformen immer lauter. Interessenverbände und mögliche EU-Subventionskürzungen könnten den Druck erhöhen – doch für viele bleibt die Situation prekär.

Quelle