Merz fordert Verzögerung des Kohleausstiegs – und löst Streit mit den Grünen aus
Nina WalterMerz fordert Verzögerung des Kohleausstiegs – und löst Streit mit den Grünen aus
Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Verschiebung des geplanten Kohleausstiegs Deutschlands vorgeschlagen und dabei mögliche Energieengpässe als Begründung angeführt. Seine Äußerungen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem das Land unter Druck steht, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Der Vorstoß stößt bereits auf Kritik der Grünen, die Brandenburgs Ministerpräsidenten auffordern, am bestehenden Zeitplan festzuhalten.
Merz argumentierte, dass bestehende Kohlekraftwerke möglicherweise über ihre geplanten Abschalttermine hinaus in Betrieb bleiben müssten. Er betonte die Bedeutung einer sicheren Stromversorgung Deutschlands und den Schutz zentraler Industriezweige. Gleichzeitig forderte er einen beschleunigten Bau von Gaskraftwerken, um mögliche Versorgungslücken zu überbrücken.
Die Grünen reagierten mit einem Appell an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD), den aktuellen Ausstiegsplan einzuhalten. Sie verwiesen auf die Notwendigkeit von Planungssicherheit für die Zukunft der Beschäftigten und die laufenden Investitionen in den Strukturwandel. Der Energiekonzern LEAG, einer der größten Akteure in der Lausitz, baut seine Kapazitäten im Bereich Erneuerbare bereits aus – Wind- und Solarenergie gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung.
Brandenburgs Energiemix hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Im Jahr 2025 stammten 54,9 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, nach weniger als 50 Prozent im Jahr 2021. Windkraft allein machte 33,8 Prozent des Gesamtaufkommens aus, Solarenergie steuerte 14,6 Prozent bei. Der Anteil der Braunkohle sank hingegen von 54,4 Prozent im Jahr 2021 auf 38,5 Prozent im Jahr 2025, wobei die Produktion von LEAG innerhalb nur eines Jahres um 8,9 Prozent zurückging. Im Rahmen des Kohleausstiegs erhält das Unternehmen rund 1,75 Milliarden Euro an Bundesmitteln als Ausgleich.
Merz' Aussagen könnten den Ausstieg weiter verzögern und den Übergang Deutschlands zu sauberer Energie erschweren. Die Debatte entzündet sich an der schwierigen Balance zwischen industriellen Bedürfnissen und Klimazielen.
Die vorgeschlagene Verzögerung des Kohleausstiegs spiegelt die anhaltenden Spannungen zwischen Energiesicherheit und Klimaschutz wider. LEAGs Umstieg auf Erneuerbare und der Rückgang der Braunkohlenutzung zeigen zwar Fortschritte, doch Merz' Forderung nach einer längeren Laufzeit von Kohlekraftwerken bringt Unsicherheit in die Planung. Die Regierung steht nun vor der Aufgabe, industrielle Anforderungen mit ihren langfristigen Umweltzielen in Einklang zu bringen.






