Kiels verstecktes Designjuwel: Warum René Hübners Studio ohne Schaufenster überzeugt
Nina Walter
Kiels verstecktes Designjuwel: Warum René Hübners Studio ohne Schaufenster überzeugt
René Hübners Designstudio liegt in der Westringstraße, nicht weit vom Sophienblatt entfernt – zu Fuß gut zu erreichen, doch man könnte es leicht übersehen. Kein großes Schild, keine Schaufensterauslage, nur eine Tür mit der Nummer 252, wie sie in dieser Gegend viele gibt. Doch hinter dieser Tür entsteht das, was Unternehmen und Kulturprojekte in Kiel irgendwann brauchen: Logos, Plakate, alles, was visuell überzeugen muss.
Die meisten Menschen denken erst über Grafikdesign nach, wenn etwas nicht stimmt – ein holpriges Logo, eine Broschüre, die nicht passt, eine Marke, die in der falschen Dekade stecken geblieben scheint. Genau dann kommt Hübner ins Spiel. Er gestaltet für Print und Digital, das gesamte Spektrum, doch von einer glanzvollen Portfolio-Präsentation im Schaufenster keine Spur. Stattdessen findet man seine Arbeiten verstreut in der Stadt: auf Café-Speisekarten, Theaterplakaten oder Visitenkarten, die auf Veranstaltungen ausgetauscht werden. Kein TamTam, einfach das fertige Ergebnis im Alltag.
Das Studio selbst ist schlicht. Kein Team, kein offener Kreativraum mit Großraumbüro-Atmosphäre – hier arbeitet eine Person, die Projekte von Anfang bis Ende betreut. Gerade für kleinere Kunden hat das Vorteile, die lieber direkt mit einem Gestalter zusammenarbeiten, statt in einer großen Agentur von Hand zu Hand gereicht zu werden. Der Nachteil? Begrenzte Kapazitäten. Wer etwas schnell oder in großem Stil braucht, ist hier falsch. Doch wer Wert auf sorgfältige Arbeit und direkten Draht zum Macher legt, sollte einen Blick riskieren.
Wann man Hübner überhaupt antrifft, ist nicht auf den ersten Blick klar. Keine festen Öffnungszeiten wie in einem Laden – stattdessen ein Arbeitsraum, der nach Terminvereinbarung genutzt wird, wahrscheinlich per E-Mail oder Telefonabsprache. Die Website, falls es eine gibt, lässt sich nicht mit einer schnellen Suche finden, was all jene nerven könnte, die es gewohnt sind, alles mit zwei Klicks online zu buchen. Andererseits hat es in einer Branche, die im digitalen Rauschen zu ersticken droht, fast etwas Altbewährtes, wenn ein Ort noch auf direkten Kontakt setzt. Die Adresse zu finden, ist dennoch kein Problem: Man steuert das ruhigere Ende der Westringstraße an, in Richtung Universität, wo die Häuser mehr wie Wohngebäude als wie Büros wirken.
Wer mit ihm zusammenarbeiten möchte, sollte sich an die klassischen Wege halten – anrufen oder eine E-Mail schreiben. In Kiel gibt es keine Knappheit an Designoptionen, doch vieles wirkt entweder zu korporativ oder zu hastig zusammengeschustert. Ein Ort wie dieser, der sich irgendwo dazwischen bewegt, ist seltener. Kein Showroom, keine Lobby mit gratis Kaffee. Nur ein Studio, das seine Arbeit macht – ohne Schnickschnack. Für manche ist genau das der richtige Ansatz.







