
Kieler Druckerei Simons trotzt der Zeit mit Handwerk statt Hype
Seit über 40 Jahren gibt es die Druckerei Simons an der Rendsburger Landstraße – gleich hinter dem belebten Abschnitt bei Mettenhof. Keine großen Eröffnungsbanner, keine Social-Media-Kampagnen, einfach nur eine Druckerei, die ihr Ding macht, während andere kommen und gehen.
Drinnen sieht es nicht aus wie in einem dieser sterilen Druckzentren großer Konzerne. Eher wie in einer Werkstatt, in der wirklich etwas hergestellt wird. Zuerst schlägt einem der Geruch von Papier und Druckfarbe entgegen, dann hört man im Hintergrund das Surren der Maschinen. Die meisten Druckereien in der Gegend sind entweder groß und unpersönlich geworden oder haben ganz geschlossen – Simons aber hat überlebt, indem es die Dinge nicht unnötig kompliziert macht. Hier werden Visitenkarten gedruckt, Broschüren, sogar Kunstreproduktionen – alles, was lokale Unternehmen, die Uni oder der gelegentliche Künstler braucht.
Sie gehören zu den wenigen kleinen Betrieben, die noch sowohl Digital- als auch Offsetdruck anbieten. 50 Einladungen bis morgen benötigt? Digitaldruck. 5.000 Kataloge mit exakten Farben bestellt? Offset. Sie haben sich nicht auf eine Technik spezialisiert – und das ist wohl auch der Grund, warum sie noch existieren. Wer hier jedoch eine schicke, moderne Druckerei erwartet, wird enttäuscht. Es ist eine handfeste Werkstatt, kein Boutique-Laden. Man gibt seine Bestellung am Tresen auf, prüft die Druckvorlagen unter einer hellen Lampe, und das Personal – einige arbeiten schon seit Jahren hier – sagt einem unumwunden, wie es ist. Kein Schnickschnack, kein Aufschneiden, nur die klare Sprache von Leuten, die schon jeden denkbaren Druck-Notfall erlebt haben.
Viel Glück beim Suchen aktueller Infos im Netz. Die Website listet die Basics auf – Kontaktdaten, Leistungen, die üblichen rechtlichen Angaben –, aber die genauen Öffnungszeiten herauszufinden, gleicht einem Glücksspiel. Die Adresse ist einfach genug: Rendsburger Landstraße 224. Ruft man die Festnetznummer an (0431 530404), meldet sich auch tatsächlich ein Mensch und kein Roboter. Allein das fühlt sich heutzutage wie ein kleiner Sieg an.
Ob Kiel auf Dauer noch lokale Druckereien wie Simons braucht, steht in den Sternen. Doch eines ist sicher: Simons ist noch da – nicht, weil es in der Vergangenheit feststeckt, sondern weil es ein paar Dinge gut macht und sich um den Rest nicht schert. In einer Stadt, in der Läden alle paar Jahre dichtmachen oder sich neu erfinden, ist das schon eine Aussage.
