16 March 2026, 06:05

Jungen und Mädchen: Warum die Unterschiede in Schule und Verhalten so tief sitzen

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer Mutter und eines Kindes, die sich umarmen, wobei die Mutter ihren Arm um die Schulter des Kindes legt und beide sanfte und zufriedene Ausdrücke zeigen, vor neutralem Hintergrund.

Ein Junge? - Warum einige Eltern damit hadern - Jungen und Mädchen: Warum die Unterschiede in Schule und Verhalten so tief sitzen

Neue Studien unterstreichen anhaltende Unterschiede in der Entwicklung, im Lernverhalten und im Umgang mit Technologie zwischen Jungen und Mädchen. Während Mädchen in der Schule oft bessere Leistungen erbringen und sich stärker in sozialen Medien engagieren, zeigen Jungen häufiger Verhaltensauffälligkeiten und eine ausgeprägtere Neigung zu Computerspielen. Diese Trends spiegeln tief verwurzelte gesellschaftliche Erwartungen – und mitunter auch Enttäuschungen – im Zusammenhang mit Geschlechterrollen wider, die bereits im frühen Kindesalter wirken.

In Deutschland haben sich die schulischen Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen in den letzten zwei Jahrzehnten weiter verstärkt. Im Jahr 2023 machten Mädchen rund 55 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten aus, während es bei den Jungen nur 45 Prozent waren. Daten der PISA-Studien zwischen 2000 und 2022 zeigen, dass Mädchen in Fächern wie Deutsch und Mathematik durchgehend besser abschneiden – wenn auch der Vorsprung in Mathematik nur gering ausfällt. Expertinnen und Experten führen dies auf biologische Faktoren wie Unterschiede in der Gehirnentwicklung zurück, aber auch auf Verhaltensmuster: Jungen seien oft unruhiger und weniger diszipliniert im Unterricht, während Mädchen anpassungsfähiger und fleißiger seien.

Zudem erhalten Jungen häufiger die Diagnose ADHS und zeigen auffälligere Verhaltensprobleme in der Schule. Mädchen hingegen leiden öfter unter Depressionen und Angststörungen. Trotz ihrer schulischen Stärken werden sie seltener für höhere Bildungswege empfohlen und brechen die Schule häufiger vorzeitig ab. Außerhalb des Klassenzimmers beginnen Jungen früher und intensiver mit digitalen Spielen, während Mädchen mehr Zeit in sozialen Medien verbringen oder sich Make-up-Tutorials anschauen.

Auch elterliche Erwartungen prägen diese Dynamik. Manche Eltern äußern offen ihre Enttäuschung, wenn das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes nicht ihren Wünschen entspricht – ein Phänomen, das auf TikTok unter dem Hashtag #GenderDisappointment diskutiert wird. Zwar deuten Studien auf eine wachsende Bevorzugung von Töchtern in westlichen Kulturen hin, möglicherweise wegen des Klischees, Mädchen seien fürsorglicher und einfacher zu erziehen. Doch eine Tochter zu haben, garantiert noch lange nicht, dass sie später die Pflege der alternden Eltern übernimmt. Frauen tragen nach wie vor häufiger die Verantwortung für die Betreuung von Familienmitgliedern mit gesundheitlichen Problemen.

Vorurteile halten sich hartnäckig, wenn es um die Wahrnehmung von Kindern geht: Mädchen gelten oft als verantwortungsbewusster und einfühlsamer, Jungen dagegen als wild und schulisch weniger erfolgreich. Diese Zuschreibungen beeinflussen alles – von der schulischen Förderung bis zur Familienplanung.

Die Daten verdeutlichen anhaltende Ungleichheiten zwischen Jungen und Mädchen in Bildung, psychischer Gesundheit und Mediennutzung. Mädchen schneiden zwar bei Schulabschlüssen und im Lesen besser ab, stoßen aber auf Hürden bei der Förderung höherer Bildungswege. Jungen hingegen kämpfen häufiger mit Verhaltensstörungen und exzessivem Spielverhalten. Elterliche Präferenzen und gesellschaftliche Klischees erschweren zudem eine gleichberechtigte Erziehung und Unterstützung – mit langfristigen Folgen für die Chancen und das Wohlbefinden der Kinder.

Quelle