17 March 2026, 10:06

Joe Lycett wird offiziell zu Hugo Boss – ein Protest mit System

Schwarze und weiße Geschäftskarte für Jackson & Damper Senfhersteller, gelegen an Nr. 2, Primrose Street, Bishopgate, London.

Joe Lycett wird offiziell zu Hugo Boss – ein Protest mit System

Der Komiker Joe Lycett hat seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen – eine provokante Aktion gegen den Luxusmodekonzern. Die Entscheidung folgt auf jahrelange Kritik an der aggressiven Vorgehensweise des Unternehmens, das mit juristischen Mitteln gegen kleine Betriebe und gemeinnützige Organisationen vorgeht, die das Wort "Boss" in ihren Namen verwenden. Erst kürzlich sah sich eine walisische Brauerei mit einer Klage über 10.000 Pfund konfrontiert, nachdem sie eine Abmahnung des Modehauses erhalten hatte.

Hugo Boss, 1924 gegründet, ist heute ein globaler Moderiese mit einem Umsatz von über 2,3 Milliarden Pfund und mehr als 14.000 Mitarbeitern in 127 Ländern. Doch die Geschichte des Unternehmens bleibt umstritten. Firmengründer Hugo Ferdinand Boss war ab 1931 Mitglied der NSDAP und lieferte während des Zweiten Weltkriegs SS-Uniformen, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden. Erst 2011, nach einer historischen Aufarbeitung, entschuldigte sich die Marke öffentlich für das "Leid und die Entbehrungen", die in ihrer Kriegsproduktion verursacht wurden. Zudem stiftete das Unternehmen ein Forschungsstipendium an der Universität Tübingen, lehnte aber finanzielle Entschädigungen für Opfer oder deren Nachkommen ab.

Wiederholt hat der Modekonzern kleine Unternehmen wegen der Nutzung des Begriffs "Boss" verklagt. 2018 erhielt die Initiative DarkGirlBoss eine juristische Abmahnung, als sie ihren Namen als Marke eintragen lassen wollte. Kürzlich musste die Boss Brewing-Brauerei in Swansea 10.000 Pfund für Anwaltskosten aufbringen, nachdem ihr mit rechtlichen Schritten gedroht worden war. Lycett, der nun offiziell Hugo Boss heißt, betont, dass seine Namensänderung ein Protest ist – und dass er, anders als der ursprüngliche Hugo Boss, niemals Nazi-Uniformen hergestellt habe.

Lycett kündigte an, dass er in allen zukünftigen Veröffentlichungen seinen neuen Namen verwenden werde. Die Aktion lenkt die Aufmerksamkeit auf die umstrittene Vergangenheit des Unternehmens sowie auf dessen anhaltende juristische Angriffe gegen kleinere Organisationen.

Die Namensänderung unterstreicht den Widerspruch zwischen den unternehmerischen Praktiken von Hugo Boss und seinem historischen Erbe. Während kleine Betriebe weiterhin unter rechtlichem Druck stehen, bleibt die Rolle des Konzerns im Nationalsozialismus ein Thema öffentlicher Debatten. Lycetts Protest sorgt dafür, dass die Diskussion über das Verhalten des Unternehmens – damals wie heute – im Fokus bleibt.

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