Buchhandlung verliert Preis wegen umstrittenem Punk-Zitat an der Fassade
Finn Fuchs"Deutschland, verrecke" - Bremer Buchhandlung in der Kritik - Buchhandlung verliert Preis wegen umstrittenem Punk-Zitat an der Fassade
Eine Bremer Buchhandlung wurde von der Verleihung eines nationalen Preises ausgeschlossen, nachdem an ihrer Fassade ein umstrittenes Motto prangte. Der von einer Punkband übernommene Spruch löste Proteste aus und führte zur Absage der Preisverleihung. Die Entscheidung von Kulturminister Wolfram Weimer hat nun breite Kritik hervorgerufen.
Die Buchhandlung The Golden Shop hatte die Worte "Deutschland verrecke bitte" – eine Zeile der Punkband Slime – als Teil einer künstlerischen Collage gezeigt. Weimer strich den Laden sowie zwei weitere linksgerichtete Buchhandlungen von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises und bezeichnete sie als "Staatsfeinde".
Der umstrittene Spruch stammt aus den 1980er-Jahren von der Band Slime. Die Anwältin der Buchhandlung, Lea Voigt, bestätigte, dass es sich um ein direktes Zitat handle, und warf Kritikern vor, die Empörung als "durchsichtigen Ablenkungsversuch" zu nutzen. Sie verwies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1996, das den Text als Kunstwerk anerkannte und mit Heinrich Heines Gedicht "Die schlesischen Weber" (1844) in Verbindung brachte. Das Gericht hatte damals entschieden, dass die provokante Zeile als freie Meinungsäußerung geschützt sei, da sie historisch-literarische Bezüge aufweise und keine wörtliche Aufforderung zu Gewalt darstelle.
Weimer verteidigte sein Vorgehen mit dem Argument, ein "mit Steuergeldern finanzierter Preis" dürfe "nicht an Staatsfeinde" gehen. Seine Entscheidung löste sofortige Empörung aus: Es gab Rücktrittsforderungen und Vorwürfe, er untergrabe die künstlerische Freiheit. Demonstranten versammelten sich vor The Golden Shop, woraufhin der Minister die Preisverleihung komplett absagte. Die prämierten Buchhandlungen erhielten ihr Preisgeld und ihre Urkunden stattdessen ohne öffentliche Feier.
Die Fassade ist Teil eines Kunstprojekts, das Zitate aus Literatur, Musik und Film kombiniert. Neben dem Slime-Text finden sich dort auch Zeilen des Schriftstellers Karl Kraus und des Medientheoretikers Marshall McLuhan. Die Besitzer betonen, die Installation sei eine kuratierte Auseinandersetzung mit kulturellen und politischen Themen – keine Billigung von Extremismus.
Die Kontroverse hat den Deutschen Buchhandlungspreis um seine übliche Feier gebracht. The Golden Shop und die beiden anderen ausgeschlossenen Läden bleiben von der Shortlist ausgeschlossen. Unterdessen dauern die juristischen und kulturellen Debatten an: Wo endet künstlerische Provokation – und wo beginnt staatliche Einmischung?