03 February 2026, 04:06

"We Crisis Actors": Wie Theater die Abgründe von Verschwörungstheorien aufdeckt

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines vollen Theaters mit sitzenden und stehenden Menschen und einem Text unten, der 'The New York Times' lautet.

"We Crisis Actors": Wie Theater die Abgründe von Verschwörungstheorien aufdeckt

Eine mutige neue Inszenierung feiert am Hebbel am Ufer in Berlin Premiere. "We Crisis Actors: Lookalike in Anger!" – eine Produktion von andcompany&Co. und Thikwa – taucht ein in die düstere Welt rechtsextremer Verschwörungstheorien, insbesondere in die absurde Idee der sogenannten "Crisis Actors". Die Vorstellung beginnt mit Humor und skurriler Übertreibung, entwickelt sich dann aber zu etwas weitaus Ernsterem und Beunruhigenderem.

Zunächst setzt das Stück auf einen spielerischen Ton: Überzogene Szenen und schwarzer Humor ziehen das Publikum in seinen Bann. Doch im Laufe der Aufführung verdüstert sich die Stimmung. Im Mittelpunkt steht das Phänomen der "Crisis Actors" – eine Verschwörungstheorie, der zufolge reale Tragödien wie Amokläufe angeblich von bezahlten Darstellern inszeniert werden.

Ein Schlüsselmoment ist der packende Monolog von Alexander Karschnia, der das Massaker an der Marjory Stoneman Douglas High School 2018 und die darauf folgenden Verschwörungsmythen aufarbeitet. Diese Rede markiert einen Wendepunkt: Die anfängliche Absurdität weicht einer schonungslosen, schmerzhaften Konfrontation mit der Realität.

Anschließend erkundet die Inszenierung die Idee einer professionellen Ausbildung zum "Crisis Actor" – in nachgestellten Grausamkeiten, die wie ein Gerichtsdrama wirken. Diese Szenen zwingen die Zuschauer:innen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Gesellschaften Trauma und Desinformation verarbeiten. Doch das Stück geht noch weiter: Es reflektiert über größere Krisen – von nuklearen Bedrohungen bis zum Klimakollaps – und deutet sie als miteinander verwobene Systemversagen.

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Das Finale ist beklemmend und doch trotzig. Das Ensemble vereint sich zu einer ergreifenden Interpretation von Freddie Mercurys "The Show Must Go On". Mit sichtbarer Emotion gesungen, wird der Song zum Symbol des Widerstands – ein Aufbegehren für Überleben und Kreativität angesichts überwältigender Schmerzens.

Die Reaktion des Publikums ließ nicht auf sich warten: Als das Licht verging, erhob es sich zu stehenden Ovationen.

Die Aufführung hinterlässt einen bleibenden Eindruck, indem sie Satire mit nüchterner Wahrheit verbindet. Sie fordert die Zuschauer:innen heraus, sich Verschwörungstheorien und systemischen Krisen ungeschönt zu stellen. Am Ende bleibt eine klare Botschaft: Selbst in den dunkelsten Zeiten halten Kunst und Widerstand stand.