Warum Mitarbeiter nur noch so tun, als wären sie produktiv – und was das über unsere Arbeitskultur verrät
Elias HofmannWarum Mitarbeiter nur noch so tun, als wären sie produktiv – und was das über unsere Arbeitskultur verrät
Eine neue Umfrage des Jobportals Indeed zeigt: Viele Beschäftigte fühlen sich unter Druck, beschäftigt aussehen zu müssen, statt tatsächlich produktiv zu sein. Im vergangenen Jahr gaben zwei Drittel der Arbeitnehmer zu, ihre Leistung künstlich aufgebauscht zu haben, um den Erwartungen gerecht zu werden. Die Ergebnisse deuten zudem auf eine wachsende Überzeugung hin, dass Arbeitgeber Sichtbarkeit mittlerweile höher bewerten als tatsächliche Ergebnisse.
Gleichzeitig drängen große deutsche Unternehmen wie SAP, Otto und Volkswagen ihre Mitarbeiter zurück ins Büro und kehren damit die flexiblen Regelungen um, die während der Pandemie eingeführt worden waren.
Die Studie offenbart eine Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität in der Arbeitswelt. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten (55,9 %) ist überzeugt, dass ihren Vorgesetzten das bloße Präsenzsein am Schreibtisch wichtiger ist als messbare Erfolge. Dies führt zu Taktiken wie dem manuellen Setzen des Online-Status auf "verfügbar" während der Remote-Arbeit – ein Verhalten, zu dem 27,7 % der Befragten standen.
Andere gehen noch weiter, um den Anschein von Produktivität zu erwecken. Ein Viertel der Arbeitnehmer (25,4 %) bleibt abends länger im Büro, einfach weil der Chef noch da ist – selbst wenn alle Aufgaben längst erledigt sind. Viele räumten zudem ein, ihre Arbeitsgewohnheiten gezielt so auszurichten, wie sie glauben, dass es die Führungskräfte erwarten.
Der Druck zur Bürorückkehr kommt zu einer Zeit, in der Unternehmen die pandemiebedingten Flexibilitäten zurücknehmen. Vodafone hat strenge Präsenzquoten eingeführt, während Konzerne wie SAP, Otto und Volkswagen ihre Mitarbeiter ohne größere Änderungen der vor-2020-geltenden Büroregeln zurückrufen. Doch 47,3 % der Beschäftigten würden das Büro attraktiver finden, wenn es kürzere Anfahrtswege oder Zuschüsse für den Arbeitsweg gäbe.
Interessanterweise würden 66,2 % der Arbeitnehmer sogar eine Gehaltskürzung von fünf Prozent akzeptieren, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen und nicht an der Anwesenheitszeit gemessen würde. Die Daten legen nahe, dass physische Präsenz keineswegs automatisch zu höherer Produktivität führt – ein zentrales Argument für diejenigen, die sich gegen verpflichtende Bürovorgaben wehren.
Die Umfrage unterstreicht einen Wandel in der Unternehmenskultur, in der Sichtbarkeit oft schwerer wiegt als tatsächliche Leistung. Während Unternehmen die Büropflicht verschärfen, passen sich die Mitarbeiter an – manchmal mit trügerischen Mitteln –, um den vermeintlichen Anforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig zeigt sich eine Bereitschaft der Beschäftigten, Gehalt gegen fairere, ergebnisorientierte Bewertungen einzutauschen.
Vorerst bleibt die Spannung zwischen Flexibilität und traditionellen Büroerwartungen ungelöst.






