Warum Berlin noch immer auf 5.000 Faxgeräte in Behörden setzt
Berlin setzt bei Behördengängen weiterhin stark auf Faxgeräte
Die Senatsverwaltung der Hauptstadt nutzt noch immer über 5.000 Faxgeräte, bei 189 Verfahren ist die Einreichung per Fax sogar zwingend vorgeschrieben – von Vollmachten für Bestattungen bis hin zu Genehmigungen für Pestizidkontrollen. Diese anachronistisch anmutende Praxis unterstreicht die zentrale Rolle der Bürokratie in der modernen Staatsführung. Sie schafft Kontrollmechanismen und verhindert willkürliche Entscheidungen, etwa bei der Vergabe von Fördergeldern oder Genehmigungen. So wurde kürzlich ein Güllebecken in der Nähe eines Trinkwasserbrunnens abgelehnt – ein Beispiel dafür, wie Regeln öffentliche Interessen schützen.
Kritiker hingegen werfen der Bürokratie vor, sie ersticke Effizienz und Fortschritt. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), eine wirtschaftsliberale Denkfabrik, eröffnete in Berlin sogar ein „Bürokratie-Museum“, um gegen das EU-Lieferkettengesetz zu protestieren. Auf dem CDU-Parteitag 2024 posierte Friedrich Merz, Mitbegründer der INSM, mit dem „Bürokratie-Schredder“ der Initiative – einem symbolischen Werkzeug, um als überflüssig empfundene Vorschriften zu vernichten. Besucher konnten damit Kopien des Lieferkettengesetzes und anderer Regularien in Stücke reißen.
Doch ungeachtet solcher Aktionen bleibt die Bürokratie ein unverzichtbarer Pfeiler demokratischer Kontrolle. Sie begrenzt die Macht von Einzelpersonen, politischen Gruppen und Gerichten und sorgt so für Transparenz und Verantwortung in Entscheidungsprozessen.
Die Debatte über Bürokratie spaltet die Gesellschaft: Die einen sehen in ihr einen notwendigen Schutzmechanismus, die anderen ein Hindernis für Innovation und Wachstum. Berlins Festhalten an Faxgeräten und strengen Verfahren steht symbolisch für ihre umstrittene, aber nach wie vor prägende Rolle in der Verwaltung.

