Wagner-Inszenierung in Stuttgart: Buhrufe bei Celans Todesfuge überschatten Premiere
Nina WalterWagner-Inszenierung in Stuttgart: Buhrufe bei Celans Todesfuge überschatten Premiere
Eine aktuelle Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg in Stuttgart hat für Kontroversen gesorgt, nachdem einige Zuschauer während einer Lesung von Paul Celans Todesfuge – einem Gedicht des Holocaust-Überlebenden – buhten. Die Premiere am Samstag, dem 7. Februar 2026, erhielt zwar insgesamt stehende Ovationen, doch die wenigen Störungen überschatten den Applaus. Die Stuttgarter Kommunikationschefin verurteilte das Buhkonzert später als "respektlos" gegenüber Celans Vermächtnis.
Ein ehemaliger Besucher, der bereits einmal negativ auf eine Ring-Inszenierung im selben Haus reagiert hatte, reflektierte inzwischen über die Natur des Protests in der Oper. Seine gewandelte Perspektive unterstreicht die komplexen Emotionen, die mit Wagners Werken und ihren modernen Deutungen verbunden sind.
Der Vorfall ereignete sich, als Regisseurin Elisabeth Stöppler Wagners Vorspiel zum dritten Akt mit einer eingespielten Lesung von Celans Todesfuge überlagerte – ein Gedicht, das als Reaktion auf den Holocaust entstand. Einige Zuschauer unterbrachen den Moment mit Buhrufen und Zwischenschreien. Dennoch berichtete die Staatsoper Stuttgart, die Premiere sei mit begeistertem Applaus und stehenden Ovationen zu Ende gegangen.
Johannes Lachermeier, der Kommunikationsdirektor der Oper, nahm in einem Essay zu den Störungen Stellung. Er bezeichnete das Buhen als "respektlos" und betonte die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Celans Werk vor dem Hintergrund von Wagners Geschichte. Das Opernhaus kündigte zwar keine weiteren Maßnahmen an, bekräftigte aber sein Bekenntnis zu künstlerischen Entscheidungen, die schwierige historische Themen aufgreifen.
Ein separater Bericht eines früheren Besuchers fügt der Debatte eine weitere Ebene hinzu. Diese Person, einst Kritiker der Stuttgarter Ring-Inszenierungen, gab zu, diese zunächst als Beleidigung für ihr wagnerianisches Weltbild empfunden zu haben. Nach reiflicher Überlegung lernte sie jedoch die Kühnheit der Inszenierung zu schätzen und zählt sie heute zu ihren absoluten Opern-Highlights.
Der Besucher zog zudem eine Trennlinie zwischen verschiedenen Formen des Protests. Zwar verurteilte er das Ausbuhen von Sängern als "abscheulich", räumte aber ein, dass manche Reaktionen – wie seine eigene frühere Empörung – aus tiefer persönlicher Überzeugung entstehen können. Er zeigte Verständnis für Lachermeiers Frustration, erkannte zugleich aber die Komplexität von Publikumreaktionen auf provokative Kunst an.
Die Stuttgarter Aufführung der Meistersinger wird sowohl für ihren künstlerischen Anspruch als auch für die aufgedeckten Gräben in Erinnerung bleiben. Während die Inszenierung breite Anerkennung fand, machten die kurzen, aber lauten Proteste die anhaltenden Spannungen um Wagners Erbe deutlich. Die Reflexionen eines Besuchers zeigen indes, wie sehr inszenatorische Interpretationen tief verwurzelte Perspektiven herausfordern – und mitunter verändern können.
Stuttgarts Wagners Inszenierung geht weiter mit kritischer Lob trotz Kontroverse
Die Inszenierung hat zusätzliche Vorstellungen bis zum 22. März 2026 gesichert, trotz der Kontroverse um die Premiere am 7. Februar. Kritiker haben seitdem die Inszenierung gelobt:
- Rezensionen heben die 'männliche' Wagner-Interpretation des Dirigenten Cornelius Meister und einen 'schrecklich präzisen' Chor hervor.
- Schauspieler wie Kai Kluge (David) und Esther Dierkes (Eva) erhielten Lob für ihre Debütrollen.