TMZ stürmt Washington: Wenn Promi-Journalismus auf Politik trifft
TMZ, das für seine dreisten Methoden bekannte Promi-Portal, nimmt nun Politiker in Washington ins Visier. Der Sender schickt Reporter, um Abgeordnete zur Rede zu stellen, und bittet die Öffentlichkeit um unveröffentlichte Fotos von Amtsträgern. Der Vorstoß erfolgt zu einer Zeit, in der das Vertrauen in politische Institutionen auf einem Tiefstand ist – der Kongress verzeichnet eine Ablehnungsquote von 86 Prozent.
Gegründet im Jahr 2005, wurde TMZ zunächst durch spektakuläre Enthüllungen bekannt, darunter der Tod von Michael Jackson 2009. Die Methoden des Portals – etwa die Bezahlung von Informanten für Tipps – standen oft im Widerspruch zu klassischen journalistischen Standards. Jetzt richtet sich der Fokus auf die Politik, obwohl TMZ über keine offiziellen Presseausweise für den Kongress verfügt.
Der Strategiewechsel fällt in eine Zeit, in der das Land seit sechs Jahren von einem ehemaligen Reality-TV-Star regiert wird. Seine Regierung umfasst Persönlichkeiten wie einen früheren Wrestling-Manager und eine ehemalige Teilnehmerin der Serie The Real World. Erst kürzlich besuchten über ein halbes Dutzend Stars aus dem Real Housewives-Franchise den Capitol Hill – die Grenzen zwischen Unterhaltung und Politik verschwimmen zunehmend.
TMZ hat in politischen Kreisen bereits für Aufsehen gesorgt: So fing das Portal den republikanischen Senator Lindsey Graham während einer politischen Krise mit einem Zauberstab in Disney World ein. Selbst Verteidigungsminister Pete Hegseth nahm Bezug auf das Portal und bezeichnete die TMZ-Mitarbeiter scherzhaft als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe" im Pentagon.
Ohne offiziellen Pressezugang wird sich TMZ auf spontane Straßeninterviews und Beiträge aus der Öffentlichkeit stützen. Der aggressive Ansatz könnte die Berichterstattung über Politiker nachhaltig verändern. Vorerst zeigt die Präsenz des Portals in Washington, wie sehr sich Promikultur und politische Berichterstattung immer stärker vermischen.






