Theater hinter Gittern: Wie junge Häftlinge in Wiesbaden auf der Bühne Freiheit finden
Finn FuchsTheater hinter Gittern: Wie junge Häftlinge in Wiesbaden auf der Bühne Freiheit finden
Ein einzigartiges Theaterprojekt in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden gibt jungen Gefangenen die Chance, auf der Bühne zu stehen. Rund 80 Zuschauer verfolgten kürzlich die diesjährige Produktion, die Teil eines langjährigen Programms zur Resozialisierung ist. Seit dem Start im Jahr 2008 haben bereits über 150 Häftlinge an den jährlichen Aufführungen mitgewirkt.
Das Projekt begann 2008 und hat sich seitdem zu einer festen Einrichtung in der Justizvollzugsanstalt entwickelt. Eine eigene Studiobühne – die erste und bisher einzige in einer deutschen Haftanstalt – dient als Spielstätte. Jedes Jahr wird ein neues Stück einstudiert und aufgeführt, wobei alle zehn Vorstellungen innerhalb weniger Tage ausverkauft sind.
In diesem Jahr entschied sich Regisseur Matze Vogel für DNA, ein Stück des britischen Dramatikers Dennis Kelly. Die Handlung thematisiert die explosiven Gruppendynamiken unter Jugendlichen und zeigt, wie Konflikte in Gewalt eskalieren können. Vor jeder Vorstellung befolgen die Schauspieler ein Ritual: Sie bilden einen Kreis, rufen Ninjamotherfucker! und stürmen zurück in die Kulissen, um sich vorzubereiten.
Hinter den Kulissen arbeitet Nathalie Meyer seit einem Jahrzehnt als Kostümbildnerin. Ein Techniker, der nur als B. bekannt ist, kümmert sich um die technischen Aspekte der Produktion – verantwortungsbewusst, aber abseits der Öffentlichkeit. Für die Inhaftierten bedeutet das Projekt mehr als nur eine Theateraufführung: Es vermittelt Fähigkeiten für das Leben nach der Entlassung. Ein Darsteller, J., bringt es auf den Punkt: "Theater macht mich frei."
Das Programm bleibt eine kreative Plattform für junge Straftäter und verbindet künstlerischen Ausdruck mit Resozialisierung. Mit über 15 Jahren Aufführungspraxis ist es eine seltene Initiative im deutschen Strafvollzug. Die jährlichen Produktionen unterhalten nicht nur das Publikum, sondern helfen den Teilnehmern auch, Selbstvertrauen und Teamfähigkeit zu entwickeln.






