Streit um neues LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Naturschutz vs. Energieprojekt
Nina WalterStreit um neues LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Naturschutz vs. Energieprojekt
Ein zweites festes Terminal für verflüssigtes Erdgas (LNG) in Wilhelmshaven rückt näher an die Realisierung, nachdem der Stadtrat den Schutzstatus eines örtlichen Naturschutzgebiets gelockert hat. Die Entscheidung ermöglicht es dem belgischen Unternehmen TES, eine stationäre Anlage in Voslapper Groden Nord zu errichten – trotz Bedenken von Umweltschützern. Mit rechtlichen Klagen gegen das Projekt wegen seiner Auswirkungen auf die Tierwelt und die Klimaziele ist nun zu rechnen.
Im November hatte die zuständige Landesbehörde eine Teilgenehmigung für den Bau des Terminals erteilt. Beamte argumentierten, dass rechtliche Vorschriften eine spätere Rückgängigmachung der Baumaßnahmen erlauben, falls die Hauptgenehmigung verweigert werde. Zudem versprachen sie, im Verfahren vorgebrachte Einwände zu prüfen.
Kritiker werfen der Behörde jedoch vor, durch die schrittweise Genehmigungspraxis zentrale Sicherheits- und Umweltprüfungen zu umgehen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Bürgerinitiative gegen CO₂-Endlager behaupten, die Aufsplitterung des Projekts in kleinere Genehmigungsschritte verhindere eine umfassende Risikobewertung. Sie werfen dem Verfahren vor, gegen Klimaschutz- und Naturschutzgesetze zu verstoßen. Unterdessen treibt die German LNG Terminal GmbH den Bau einer eigenen festen Anlage in Brunsbüttel voran. Das Unternehmen plant, dort ab 2027 fossile Brennstoffe umzuschlagen und spätestens bis 2043 auf erneuerbare Energien umzustellen. Umweltverbände warnen, dass das Terminal in Voslapper Groden Nord ein Vogelschutzgebiet zerstören und geschützte Arten gefährden werde. Zwar wurden noch keine Klagen offiziell eingereicht, doch Aktivisten kündigen an, den Fall vor Gericht zu bringen.
Die Abstimmung des Stadtrats räumt zwar ein zentrales Hindernis für das TES-Terminal aus dem Weg, doch rechtliche Auseinandersetzungen sind absehbar. Umweltschützer bestehen darauf, dass das zersplitterte Genehmigungsverfahren Klimaschutz- und Sicherheitsbedenken nicht ausreichend berücksichtigt. Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob der Bau wie geplant voranschreitet oder mit weiteren Verzögerungen zu rechnen ist.
