Streit um gelockerte Düngeregeln in Schleswig-Holstein: Umwelt vs. Landwirtschaft
Elias HofmannStreit um gelockerte Düngeregeln in Schleswig-Holstein: Umwelt vs. Landwirtschaft
Bundeslandwirtschaftsministerium lockert Düngeregeln in Schleswig-Holstein
Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat Pläne bekannt gegeben, die Düngeregeln in Schleswig-Holstein zu lockern. Die neue Regelung würde Landwirt:innen erlauben, Düngemittel auch auf leicht oder vorübergehend gefrorenen Böden auszubringen. Umweltverbände kritisieren den Schritt scharf und warnen vor möglichen Schäden für Gewässer.
Die geplante Änderung folgt auf jahrelange Debatten über Deutschlands Einhaltung der EU-Wasserschutzvorschriften. Nach der bisherigen Düngeverordnung galten Böden, die tagsüber vollständig auftauten, als "nicht gefroren". Die Bundesregierung hatte diese Auslegung jedoch aufgegeben, um sich an die strengeren EU-Nitratrichtlinien anzupassen.
Die EU-Nitratrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Nitratwerte in Gewässern zu überwachen und alle vier Jahre Bericht zu erstatten. Deutschland setzt dies über die Düngeverordnung um, die unter anderem Verbote für das Düngen auf wassergesättigten oder gefrorenen Böden vorsieht. Doch Agrarministerin Cornelia Schmachtenberg argumentiert nun, dass leicht gefrorene Böden Nährstoffe weiterhin sicher aufnehmen könnten.
Umweltorganisationen wie BUND und NABU widersprechen dieser Einschätzung. Sie behaupten, dass die Düngung gefrorener Böden zu Nährstoffauswaschungen führe und damit Küsten- und Binnengewässer belaste. Der NABU Schleswig-Holstein hat sogar mit rechtlichen Schritten gedroht und die Entscheidung als möglichen Verstoß gegen EU-Recht bezeichnet. Gleichzeitig begrüßt der Bauernverband die Lockerungen und betont, dass sie dringend benötigte Flexibilität böten.
Schleswig-Holstein kämpft seit Langem mit Überdüngung und überschreitet häufig die gesetzlichen EU-Grenzwerte. Kritiker:innen werfen der neuen Regelung vor, einen Trend zur Schwächung des Umweltschutzes fortzusetzen und die Wasserqualität weiter zu gefährden.
Das Ministerium versichert, dass die Düngemittelanwendung weiterhin streng kontrolliert werde, um Kontaminationen zu vermeiden. Umweltverbände hingegen warnen, dass die Änderung das Risiko von Nitratbelastungen in Flüssen und Küstengebieten verschärfen könnte. Der Streit dreht sich nun darum, ob die gelockerten Regeln den EU-Standards standhalten – oder ob sie vor Gericht landen werden.
