Schularicks dringender Appell: Rentenreform und flexiblere Arbeitsmärkte retten Deutschlands Zukunft
Finn FuchsWirtschaftswissenschaftler Schularick zu Renten, China und Kapitalmarktunion - Schularicks dringender Appell: Rentenreform und flexiblere Arbeitsmärkte retten Deutschlands Zukunft
Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), übt scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik Deutschlands und Europas. Seine Warnungen betreffen die Rentenpolitik, das Arbeitsrecht und die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf den Arbeitsmarkt. Zudem macht er politische Untätigkeit für die verschärften finanziellen und demografischen Probleme verantwortlich.
Schularick sieht das deutsche Umlageverfahren bei der Rente unter massivem Druck. Sinkende Geburtenzahlen – von 714.966 im Jahr 2014 auf voraussichtlich 677.117 in diesem Jahr – führen zu einem anhaltenden Defizit von etwa 330.000 zwischen Geburten und Sterbefällen. Bei einer Fertilitätsrate von nur 1,35 und steigender Lebenserwartung könnte die Zahl der unter 20-Jährigen bis 2070 auf 13,6 Millionen schrumpfen. Er fordert dringend Reformen, darunter eine Anhebung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung sowie die Abschaffung der Rente mit 63.
Gegen den von der SPD geplanten Gesundheitsfonds positioniert er sich ebenfalls und bezeichnet ihn als "undichtes Fass", das strukturelle Probleme nicht löse. Stattdessen plädiert er für eine Debatte über mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt, etwa durch Teilzeitarbeit und Anpassungen an die durch KI vorangetriebene Transformation. Seine Vorschläge gehen bis hin zur Abschaffung des Kündigungsschutzes für Spitzenverdiener und einer Lockerung der Arbeitsplatzsicherheit im öffentlichen Dienst – starre Regeln trieben seiner Meinung nach Unternehmen dazu, Forschung ins Ausland zu verlagern.
In der Europapolitik wirft Schularick den Mitgliedstaaten vor, aus Eigeninteresse die Kapitalmarktunion der EU zu blockieren. Ohne Kurswechsel drohten wirtschaftliche Stagnation und ein verschärfter Fachkräftemangel, was Renten und öffentliche Finanzen weiter belasten werde.
Schularicks Empfehlungen zielen auf eine Reform der Rentenpolitik, flexiblere Arbeitsgesetze und eine vertiefte wirtschaftliche Integration der EU ab. Er mahnt zu schnellem Handeln, um die öffentlichen Haushalte und den Arbeitsmarkt zu entlasten. Zu seinen konkreten Forderungen gehören die Kopplung des Renteneintritts an die Lebenserwartung, die Lockerung von Kündigungsschutzregeln und der Ausbau der Kapitalmärkte in Europa.
