Schmitt & Hahn: Kiels verstecktes Bahnhof-Juwel mit Kultstatus und Charme
Nina Walter
Schmitt & Hahn: Kiels verstecktes Bahnhof-Juwel mit Kultstatus und Charme
Schmitt & Hahn Buch und Presse drängt sich im Kieler Hauptbahnhof unter, einer dieser Läden, die man erst bemerkt, wenn man plötzlich davorsteht. Kein steriles Kettenbuchgeschäft wie in anderen Bahnhöfen – hier herrscht ein leicht chaotisches, aber zweckmäßiges Flair. Regale vollgepackt mit Büchern, Zeitungen gestapelt an der Kasse, der Typ Laden, der schon offen hat, wenn die meisten noch schlafen.
Das meiste, was hier verkauft wird, sind Dinge, die Leute wirklich brauchen. Tageszeitungen für den Morgenpendler, Taschenbücher für lange Fahrten, ein paar Zeitschriften für die Wartezeit. Dazu ein buntes Sammelsurium an Souvenirs – Postkarten mit Förde-Motiven, Kiel-Tassen, etwas billigen maritimen Kram, den Touristen vielleicht mitnehmen. Eine kleine Abteilung mit Grußkarten, Rätselheften, Kinderbüchern. Nichts Besonderes, einfach Dinge, an die man kurz vor Abfahrt des Zuges plötzlich denkt.
Der Standort ist das eigentliche Highlight. Mittendrin im Bahnhof – Sophienblatt 25-27 –, man müsste sich schon sehr anstrengen, um ihn zu übersehen. Und die Öffnungszeiten sind im besten Sinne absurd: 5:30 Uhr morgens unter der Woche, am Wochenende etwas später, aber immer bis 21 Uhr geöffnet. Das ist ein Rhythmus, der sich nach den Reisenden richtet, nicht nach irgendeinem unternehmerischen „Geschäftszeiten“-Diktat. Und es funktioniert – selbst spätabends findet sich meist noch jemand, der schnell etwas besorgt.
Ein Laden zum Verweilen ist es nicht. Das Personal arbeitet zügig, aber nicht unfreundlich. Fragst du nach Reiseführern, wird dir kurz der Weg gewiesen. Die Preise liegen etwas über denen eines normalen Buchladens, aber nicht übertrieben – man zahlt für die Bequemlichkeit, und das ist fair. Die 4,4 Sterne aus über siebzig Bewertungen sprechen für sich.
Für Einheimische ist es einer dieser Läden, an die man nur denkt, wenn’s dringend wird – eine letzte Geburtstagskarte, eine Zeitschrift für die Verspätung, etwas zum Lesen für die Heimfahrt. Kein Schnickschnack, keine Tricks. Ein solider kleiner Laden, der tut, was er soll. In einem Bahnhof ist das mehr als genug.

