Revolutionäres Batterie-Recycling: Wie Deutschland CO₂-Emissionen drastisch senken will
Elias HofmannRevolutionäres Batterie-Recycling: Wie Deutschland CO₂-Emissionen drastisch senken will
Deutschland bereitet sich auf einen starken Anstieg ausgedienter Lithium-Ionen-Batterien vor – bis 2040 werden jährlich bis zu 360.000 metrische Tonnen erwartet. Die derzeitigen Recyclingverfahren gewinnen nur einen Bruchteil der Materialien zurück und erfordern viel Energie oder große Mengen an Hilfsstoffen. Nun sollen neue Projekte mit effizienteren CO2-Reduktions-Verfahren für Abhilfe sorgen.
Ein Konsortium aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen treibt die Entwicklung besserer Batterierecycling-Lösungen voran. Im Rahmen des ProBatman-Projekts arbeiten Netzsch-Gerätebau GmbH, BMW AG, EurA AG, das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC und die Universität Würzburg daran, möglichst viele Komponenten aus alten Batterien zurückzugewinnen. Ihr Ansatz beginnt mit der sicheren Demontage der Zellen unter Schutzgas, gefolgt von der Trennung der Aktivmaterialien von den Elektroden. Die gewonnenen Stoffe werden anschließend in maßgeschneiderten Prozessen gereinigt und regeneriert – jeder Schritt wird auf Skalierbarkeit, Sicherheit und Umweltverträglichkeit geprüft.
Die Ziele des Projekts sind ehrgeizig: Durch die Rückgewinnung selbst flüchtiger Bestandteile und leitfähiger Salze könnten jährlich bis zu 1,3 Gigatonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Das Fraunhofer ISC steuert wissenschaftliches Know-how sowie eine Pilotproduktionslinie für Pouch-Zellen bei, während das Fraunhofer-Forschungs- und Entwicklungszentrum für Elektromobilität (FZEB) nachhaltige CO2-Reduktions-Lösungen weiterentwickelt.
Auch andere Initiativen machen Fortschritte: Das ReUse EU-Projekt setzt auf KI-gestützte Sortierung und robotergestützte Demontage sowie überkritisches CO2 zur Bindemittelentfernung. Zudem wird die Würzburger Konferenz zum Direktrecycling von Batterien im Februar 2026 Expert:innen zusammenbringen, um Erkenntnisse aus Pilotprojekten zur Materialrückgewinnung und -aufbereitung auszutauschen.
Mindestens fünf deutsche Unternehmen und Forschungsteams testen derzeit CO2-Reduktions-Verfahren – darunter die halbkontinuierliche Zentrifugensortierung zur Rückgewinnung von Lithium-Eisenphosphat sowie die Zellöffnung unter Schutzgas für eine sicherere Materialextraktion.
Die neuen Recyclingprojekte zielen darauf ab, die wachsende Herausforderung durch Batterieabfälle in Deutschland zu bewältigen. Durch höhere Rückgewinnungsquoten und geringeren Energieverbrauch könnten sie CO2-Emissionen und Ressourcenverschwendung deutlich reduzieren. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich diese Innovationen im großen Maßstab umsetzen lassen, um den künftigen Bedarf zu decken.
