Politisches Theater feiert Triumph: Kein Erfolgsmärchen begeistert Berlin mit stehenden Ovationen
Nina WalterPolitisches Theater feiert Triumph: Kein Erfolgsmärchen begeistert Berlin mit stehenden Ovationen
Eine neue Bühnenadaption von Kein Erfolgsmärchen feierte diese Woche eine begeistert aufgenommene Premiere. Über 700 Zuschauer belohnten die Aufführung mit stehenden Ovationen. Das Stück, das in der Tradition des politischen Theaters verwurzelt ist, hat bereits Debatten über die Rolle der Kunst bei der Infragestellung kapitalistischer Strukturen ausgelöst.
Die Produktion knüpft an eine lange Geschichte des politischen Theaters in Deutschland an. Vor fast einem Jahrhundert erklärte Friedrich Wolfs Manifest Kunst ist Waffe von 1928, dass Kunst als Werkzeug der Revolution dienen solle. Diese Idee prägte die Agitprop-Bewegung der Weimarer Republik, überstand die nationalsozialistische Unterdrückung und beeinflusste später das Staatstheater der DDR. Nach 1989 hielten unabhängige Gruppen die Tradition am Leben, auch wenn aktuelle Initiativen nur wenig dokumentiert sind.
Theater hat Arbeitsklasse-Publikum oft durch hohe Eintrittspreise, elitäre Programmgestaltung und subtile Barrieren ausgeschlossen. Kein Erfolgsmärchen scheint dieses Muster zu durchbrechen. Ein Kritiker der Welt beschrieb den Spielort nach der Premiere als verwandelt in ein "kulturelles Zentrum für das Proletariat aller Stadtteile".
Olivier David, der Autor des Originalwerks, begann seine Laufbahn mit verschiedenen Jobs, bevor er sich dem Journalismus und dem Schreiben zuwandte. Seine kommende Essay-Sammlung Von den Namenlosen Massen soll 2024 erscheinen. Regisseur Marco Damghani würdigte den Premierenerfolg, indem er das gesamte Theaterensemble auf die Bühne bat, um den Applaus gemeinsam entgegenzunehmen.
Die Uraufführung des Stücks deutet auf ein erneutes Interesse am politischen Theater als Mittel zur Aufdeckung sozialer Ungleichheiten hin. Mit seinem Fokus auf Klassenkämpfe und einem zugänglichen Ansatz hat Kein Erfolgsmärchen bereits Wirkung gezeigt. Die anstehende Veröffentlichung von Davids Essays könnte diese Diskussionen über die Bühne hinaus weiterführen.
