Pilotprojekt in Thüringen kämpft gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Finn FuchsPilotprojekt in Thüringen kämpft gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Digitale sexualisierte Gewalt betrifft fast die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland, wie aktuelle Studien zeigen. Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen setzte sich zum Ziel, das Problem durch Aufklärung über Online-Risiken einzudämmen. Die Expertin Yasmina Ramdani leitete Workshops an Schulen und erreichte mit praxisnahen Methoden rund 5.000 Schülerinnen und Schüler, um Lösungsansätze zu vermitteln.
Das von der Thüringer Landesbeauftragten für den Kinderschutz finanzierte Projekt war das erste seiner Art in Deutschland. Ramdani nutzte unter anderem Bingokarten, um mit den Jugendlichen über digitale sexualisierte Gewalt auf eine alltagsnahe Weise ins Gespräch zu kommen. Die Sessions übersetzten digitale Erfahrungen in reale Diskussionen und machten das Thema so greifbarer.
Viele Vorfälle ereignen sich in Freundeskreisen oder Klassenchats – oft aus Naivität und mangelnder Medienkompetenz. Cybergrooming, bei dem Täter gezielt über Chats Kinder ansprechen, bleibt eine große Gefahr und ermöglicht es Kriminellen, Jugendliche im großen Stil auszubeuten. Lehrkräfte fühlen sich bei solchen Fällen häufig überfordert und ohne ausreichende Unterstützung.
Auch die Rolle der Tech-Plattformen steht in der Kritik. Kritiker werfen den Unternehmen vor, von Systemen zu profitieren, die digitale Gewalt erst ermöglichen. Gleichzeitig werden Eltern dazu aufgerufen, das eigene Verhalten zu reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen.
Trotz des Erfolgs des Pilotprojekts gibt es keine öffentlichen Daten darüber, wie viele Schulen in Deutschland seitdem ähnliche Workshops eingeführt haben.
Das Projekt unterstrich den dringenden Bedarf an besserer Aufklärung und Unterstützung im Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt. Ramdanis Arbeit zeigte, dass die Vorbereitung von Jugendlichen – und ihres Umfelds – entscheidend ist, um die Sicherheit im Netz zu verbessern. Die Herausforderung liegt nun darin, diese Ansätze flächendeckend an mehr Schulen und in Gemeinden zu tragen.






