
Permakultur in Kiel: Wo die Stadt mit der Natur wächst statt gegen sie
Das Permakulturzentrum Kiel e.V. liegt im Alte-Mu-Komplex am Lorentzendamm – einer dieser Orte, die nicht um Aufmerksamkeit buhlen, sondern stattdessen etwas weitaus Spannenderes tun. Hier gibt es keinen klassischen Gemeinschaftsgarten mit akkuraten Salatreihen oder Aushängen für die Bewässerungsdienste. Die Menschen hier versuchen herauszufinden, wie man mit der Natur in der Stadt arbeiten kann, statt sich nur kleine Fleckchen von ihr zu sichern.
Betritt man das Gelände, sieht man Hochbeete, Terrassen, die in den Hang geschneidet sind, Pflanzen, die an Wänden emporranken. Auch ein Waldgarten entsteht hier – mit Bäumen, Sträuchern und Bodendeckern, die wie in freier Natur übereinander geschichtet sind. Nichts ist zufällig platziert. Regenwasser wird aufgefangen und wiederverwendet, der Boden bleibt bedeckt, und das Ganze wirkt lebendiger als die meisten Gärten. Es ist ein produktives Chaos, als würde hier etwas wirklich wachsen, statt nur gepflegt zu werden.
Für Besucher ist montags (13–16 Uhr) sowie mittwochs und freitags (15–18 Uhr) geöffnet, wobei sich die Zeiten je nach Verfügbarkeit der Helfer:innen ändern können. Wer hierherkommt, sollte nicht einfach ein paar Basilikumblätter pflücken wollen. Der Ort richtet sich an Menschen, die lernen, ausprobieren oder mitanpacken möchten. Ab und zu gibt es Workshops oder Führungen, doch nicht immer sind diese irgendwo angekündigt. Ehrlich gesagt, ist es am besten, einfach in den Öffnungszeiten vorbeizuschauen und zu sehen, was gerade passiert.
Der Garten passt perfekt ins Alte Mu, das einst ein Militärgelände war und heute Künstler:innen, Werkstätten und allerlei Nachhaltigkeitsprojekte beherbergt. Der ganze Ort strahlt diese praktische, „wir machen’s einfach“-Energie aus – und das Permakulturzentrum bildet da keine Ausnahme. Manche Bereiche wirken fertig, andere sind deutlich noch im Werden. Genau das ist aber auch der Punkt: Permakultur geht nicht darum, alles beim ersten Versuch perfekt hinzubekommen.
Wer mitmachen möchte, kann dem Verein beitreten, auch wenn der Weg dorthin nicht immer ganz klar ist. Auf der Website (permakultur-kiel.de) gibt es einige Infos, doch oft ist der einfachste Weg, etwas zu erfahren, einfach vorbeizukommen und die anwesenden Leute zu fragen. Es ist eine kleine Gruppe, meist aus Ehrenamtlichen, und wer wirklich helfen will, dem wird man auch eine Aufgabe finden.
In Kiel mangelt es nicht an grünen Flächen – die meisten sind jedoch entweder übertrieben aufgeräumte Parks oder Brachflächen, die auf ihre Bestimmung warten. Dieser Ort ist anders. Es geht nicht darum, die Natur in die Stadt zu pressen, sondern die Stadt mit der Natur arbeiten zu lassen. Keine hochtrabenden Missionstatements, keine glanzvollen Broschüren. Nur ein Garten, der versucht, die Dinge ein bisschen klüger anzugehen.






