Paderborner Missbrauchsstudie enthüllt: Kardinäle schützten Täter und ignorierten Opfer
Elias HofmannStudie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Paderborner Missbrauchsstudie enthüllt: Kardinäle schützten Täter und ignorierten Opfer
Eine neue unabhängige Studie hat schwerwiegende Versäumnisse im Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Paderborn aufgedeckt. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Kardinäle Täter geschützt haben, während sie den Opfern kaum Beachtung schenkten. Ursprünglich sollte der Bericht früher veröffentlicht werden, doch aufgrund der Pandemie und unerwartet großer Mengen an Quellenmaterial wurde die Veröffentlichung auf 2026 verschoben.
Die Studie befasst sich mit dem Erzbistum Paderborn, einem der sieben zentralen Erzbistümer Deutschlands, das sich über Teile von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen erstreckt. Sein Gebiet reicht von Minden bis Siegen und von Herne bis Höxter und umfasst 1,3 Millionen Katholiken. Die Forscher konzentrierten sich auf den Zeitraum von 1941 bis 2022, der die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt abdeckt.
In einer zweiten Phase soll später die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker untersucht werden, der das Bistum von 2002 bis 2022 leitete. Die Ergebnisse folgen auf eine separate Studie aus dem Jahr 2025 im Bistum Würzburg, in deren Folge der ehemalige Bischof Hofmann nach Kritik an der mangelhaften Bearbeitung von Missbrauchsvorwürfen gegen einen verstorbenen Priester von seinem Ehrentitel zurücktrat. Vor Ort wurden dieser Schritt als notwendiger Fortschritt begrüßt.
Der Paderborner Bericht legt systemische Versagen offen: Kardinäle deckten wiederholt Missbrauchstäter und vernachlässigten die Bedürfnisse der Opfer. Verzögerungen bei der Veröffentlichung ergaben sich durch die COVID-19-Pandemie sowie die Entdeckung zusätzlicher Archivbestände.
Die für 2026 geplante Veröffentlichung der Studie markiert das Ende einer langjährigen Untersuchung zu jahrzehntelangem Missbrauch im Erzbistum Paderborn. Die Ergebnisse tragen zur wachsenden Kritik an der Handhabung solcher Fälle durch die katholische Kirche in Deutschland bei. Die zweite Phase, die sich auf die Amtszeit von Erzbischof Becker konzentriert, wird voraussichtlich weitere Klarheit über jüngere Versäumnisse bringen.
