Prominenz und Distinktion als Strategie - Das ist Cem Özdemir - Özdemirs Triumph: Wie die Grünen Baden-Württemberg erobern könnten
Die Grünen in Baden-Württemberg steuern auf einen Sieg bei der Landtagswahl zu – erste Hochrechnungen sehen sie vor der CDU. Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Partei, hat maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg. Sein Wahlkampf präsentierte ihn als pragmatischen und bürgernahen Politiker, der eng an den scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann angelehnt ist.
Özdemirs politische Laufbahn war von Rückschlägen und raschen Aufstiegen geprägt. 1994 zog er als erster Bundestagsabgeordneter mit türkischen Wurzeln ins Parlament ein. Doch 2002 geriet seine Karriere ins Stocken, als er wegen eines Skandals um die private Nutzung von Bonusmeilen und eines fragwürdigen Kredits aus dem Bundestag zurücktrat. Nach einem USA-Aufenthalt kehrte er 2004 über das Europäische Parlament in die Politik zurück und zog 2013 erneut in den Bundestag ein.
Von 2008 bis 2018 führte er die Grünen als Bundesvorsitzender. Später übernahm er die Ämter des Agrar- und überraschenderweise auch des Bildungsministers. Trotz seiner umfangreichen Bundespolitik hatte Özdemir vor seiner Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten kaum Landeserfahrung.
Seine persönliche Geschichte kommt bei den Wählern an: Nach Schulproblemen erwarb er seine Hochschulreife über den zweiten Bildungsweg. Diese Biografie, kombiniert mit seinem pragmatischen Stil, erinnert an Kretschmann, einen weit respektierten Politiker. Beide gehören zum konservativ geprägten Parteiflügel, der den Grünen zu breiterer Akzeptanz verhalf.
Eine schwarz-grüne Koalition gilt nun als wahrscheinlichste Option für die nächste Landesregierung.
Das Wahlergebnis könnte die Grünen erstmals in Stuttgart in eine führende Rolle bringen. Özdemirs Führung und seine Kampagnenstrategie haben die Partei an die Schwelle der Macht geführt. Mit einer CDU-Grünen-Allianz als einzig realistischer Option steht dem Land möglicherweise ein bedeutender politischer Wandel bevor.
