Nurejew-Ballett zwischen Triumph und Verbot: Ein polarisierendes Meisterwerk
Nina WalterNurejew-Ballett zwischen Triumph und Verbot: Ein polarisierendes Meisterwerk
Ein kühnes Ballett über das Leben Rudolf Nurejews erntet sowohl Beifall als auch Kontroversen. Die 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführte Produktion wurde später in Russland wegen ihrer LGBTQ+-Themen verboten. Das von Choreograf Juri Possochow und Regisseur Kirill Serebrennikow geschaffene Werk bleibt eine eindrucksvolle Hommage an einen der größten Ballettstars aller Zeiten.
Nurejew, 1938 geboren und 1993 in Paris nach einem Kampf gegen Aids verstorben, durchlebte eine außergewöhnliche Karriere – vom Training unter Alexander Puschkin bis zu seiner spektakulären Flucht in den Westen. Die Bühne ist gefüllt mit symbolträchtigen Requsiten: männliche Akte alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und Anspielungen auf sein italienisches Inselrefugium.
Die Moskauer Premiere 2017 fand ohne Serebrennikow statt, der später wegen Untreue verurteilt wurde und schließlich nach Berlin übersiedelte. Possochow, in der Ukraine geboren, arbeitet trotz des anhaltenden Krieges weiterhin in Russland. Während der erste Akt des Balletts durch emotionale Tiefe besticht, verliert der zweite Akt an Wucht – trotz herausragender Solodarbietungen und großer Ensembleszenen.
Ursprünglich wurde die Produktion 1995, zwei Jahre nach Nurejews Tod, am Berliner Staatsballett uraufgeführt. Im selben Jahr wurde sein Nachlass versteigert, wodurch persönliche Schätze, die mit seinem Erbe verbunden waren, in alle Winde zerstreut wurden.
Nurejew bleibt ein mächtiges, aber polarisierendes Werk. Das russische Verbot 2023 unterstreicht die anhaltenden Spannungen um künstlerische Freiheit und LGBTQ+-Repräsentation. Mit opulenten Bühnenbildern und ehrgeiziger Erzählweise zieht die Produktion weiterhin Aufmerksamkeit auf sich – und sichert so Nurejews Vermächtnis auf der Bühne.






