Medikamentenknappheit 2025: Warum deutsche Apotheken weiter am Limit sind
Finn FuchsMedikamentenknappheit 2025: Warum deutsche Apotheken weiter am Limit sind
Arzneimittelknappheit bleibt 2025 ein ernstes Problem in deutschen Apotheken
Trotz des 2023 verabschiedeten Lieferengpassgesetzes gibt es laut Krankenkassen keine nachhaltige Verbesserung der Versorgungslage. Allein in diesem Jahr wurden über 1.500 Meldungen zu Lieferengpässen registriert, die mehr als 1.000 verschiedene Medikamente betreffen.
Besonders hart trifft es lebenswichtige Arzneimittelgruppen: Bei Lipidsenkern, die für Herzpatienten unverzichtbar sind, gab es 89 Engpassmeldungen mit einer durchschnittlichen Versorgungslücke von 156 Tagen – rund zwei Millionen Betroffene sind davon betroffen. Antibiotika, eine weitere Schlüsselfategorie, verzeichnen 85 Engpässe mit einer durchschnittlichen Dauer von 122 Tagen, was die Behandlung von 2,2 Millionen Patienten beeinträchtigt.
Psychopharmaka gehören zu den am stärksten betroffenen Arzneimitteln. Bei Antipsychotika wurden 173 Lieferengpässe gemeldet, mit einer durchschnittlichen Knappheitsphase von 230 Tagen – etwa eine Million Anwender sind betroffen. Antidepressiva folgen mit 130 Meldungen und einer durchschnittlichen Engpassdauer von 107 Tagen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verzeichnete einen Anstieg der Lieferengpässe bei Psychopharmaka um 25 Prozent von 2023 auf 2024, insbesondere bei Antidepressiva und Angstlösern. Auch Salbutamol (Asthmamittel) und Antiepileptika sind weiterhin von anhaltenden Engpässen betroffen.
Deutschlands Abhängigkeit von asiatischer Produktion verschärft das Problem. Viele Wirkstoffe und Fertigarzneimittel stammen von dort, was die Lieferketten anfällig für globale Störungen macht. Als Lösung schlagen Experten ein Frühwarnsystem vor, das deutsche Akteure über größere Produktionsausfälle in Asien informiert, bevor die Engpässe die Patienten erreichen.
Die anhaltende Knappheit offenbart tiefe strukturelle Schwächen im deutschen Arzneimittelversorgungssystem. Da bisher keine grundlegenden Reformen umgesetzt wurden, müssen Patienten und Apotheken weiterhin mit Verzögerungen und Lücken bei essenziellen Behandlungen leben. Die Behörden prüfen nun schärfere Maßnahmen, um künftige Krisen zu verhindern.
