Loco Bird: Kiels geheimnisvollster Laden ohne Schilder oder Öffnungszeiten
Elias Hofmann
Loco Bird: Kiels geheimnisvollster Laden ohne Schilder oder Öffnungszeiten
Loco Bird thront auf dem Haßberg, ganz am östlichen Rand Kiels – nicht die Art Ort, an dem man einfach vorbeiläuft. Kein großes Schild, keine grellen Werbeflächen. Nur eine Nummer (18) und ein Onlineshop, der den Großteil der Kommunikation übernimmt.
Offiziell ist es ein Textilbetrieb, doch was hier tatsächlich verkauft wird, errät man nicht auf den ersten Blick. Der Name – Loco Bird – klingt eher nach einem Scherz oder einer Band als nach einem Laden, was irgendwie passt. Das Ganze wirkt absichtlich unaufgeregt, fast schon lässig. Kein Corporate-Design, keine Pressemitteilungen. Nur ein kleines Unternehmen unter dem Dach der Sidorenko GmbH, geführt von wem auch immer dahintersteckt.
Die eigentliche Aktion spielt sich offenbar online ab. Das Ladengeschäft existiert, aber wer unangemeldet vorbeikommt, hat Pech – Öffnungszeiten sucht man vergeblich. Eine einzige Fünf-Sterne-Bewertung geistert durchs Netz, verrät aber nichts. Keine Telefonnummer, keine Social-Media-Präsenz, die bei Suchanfragen auftaucht. Wer sie finden will, muss selbst graben oder jemanden kennen, der Bescheid weiß.
Es ist der Typ Laden, der entweder von Mundpropaganda lebt oder noch dabei ist, sich selbst zu entdecken. In Kiel, wo der Einzelhandel entweder aus riesigen Ketten oder winzigen Boutiquen besteht, existiert Loco Bird einfach so. Ohne TamTam. Vielleicht ist das Absicht. Vielleicht haben sie sich auch nur noch nicht um den Rest gekümmert. Wie auch immer – es ist eine seltsame kleine Nische im städtischen Handelsgefüge: leise, undurchsichtig und auf sture Art ganz es selbst.

