
KPMG Kiel: Die unscheinbare Steuerkanzlei mit skandinavischem Netzwerk
Das KPMG-Büro in Kiel ist nicht gerade ein Hingucker. Es liegt an der Wall, nur einen kurzen Spaziergang von den belebteren Straßen am Sophienblatt entfernt, eingezwängt zwischen älteren und neueren Gebäuden. Die Adresse – Wall 55 – fällt nicht besonders auf, doch hinter der unscheinbaren Fassade werden Steuerfragen, Prüfungen und Finanzberatungen für Unternehmen in ganz Schleswig-Holstein abgewickelt.
Carsten Döring leitet das Büro. Gleichzeitig verantwortet er die KPMG-Geschäfte in Dänemark und Norwegen – was wohl erklärt, warum diese zwar kleine Niederlassung besonders enge Verbindungen nach Skandinavien pflegt. Rund 50 Mitarbeiter sind hier tätig: acht Steuerberater, ein Wirtschaftsprüfer, der Rest in unterstützenden Funktionen. Kein riesiges Team, vor allem im Vergleich zu Hamburg oder Berlin, doch hier setzt man offenbar auf direkte, praxisnahe Arbeit statt auf Großkanzlei-Bürokratie.
Wer hier ein glanzvolles Corporate-Image erwartet, wird enttäuscht. Zwar ist das Büro Teil des gewaltigen KPMG-Netzwerks in Deutschland (über 14.600 Mitarbeiter), doch vor Ort gibt man sich unaufgeregt. Die Klientel? Vor allem mittelständische Unternehmen, Familienbetriebe oder Firmen mit Bezügen zu Dänemark oder Norwegen. Steuerliche Fragen, Markteintritt, regulatorische Hürden – wenn es um Skandinavien geht, sind sie wahrscheinlich die richtigen Ansprechpartner.
Allerdings wird man ihren Arbeitsalltag kaum entschlüsseln können. Keine öffentlichen Öffnungszeiten, keine Laufkundschaft. Alles läuft über Termine. Wer Kontakt aufnehmen möchte, muss anrufen, eine E-Mail schicken oder die Website besuchen. Online findet sich eine single, strahlende Fünf-Sterne-Bewertung – allerdings so vage, dass sie kaum aussagekräftig ist. Ihr Ruf verbreitet sich wohl auf altbewährte Weise: durch Kiels Wirtschaftskreise.
Für eine Stadt, die vom Schiffsbau und mittelständischen Unternehmen geprägt ist, könnte die Präsenz einer Big-Four-Firma – selbst einer so zurückhaltenden – durchaus nützlich sein. Es ist nicht der Typ Büro, in das man einfach hineinstolpert. Doch wer als lokales Unternehmen mit Steuerfragen kämpft oder als Start-up den norwegischen Markt ins Auge fasst, findet hier kompetente Unterstützung. Kein Tamtam, nur Zahlen und Rat. Und das Büro ist leichter zu finden, als man denkt: gleich hinter dem Sophienblatt, hinter jener unscheinbaren Tür.







