Kiels verstecktes Pelzhandwerk: Wo Designer und Kürschner heimlich einkaufen
Lara Braun
Kiels verstecktes Pelzhandwerk: Wo Designer und Kürschner heimlich einkaufen
Lars Paustian betreibt easyfur.com von einem schmucklosen Arbeitsraum in der Sophienblattstraße aus, nur wenige Gehminuten von Kiels belebter Holstenstraße entfernt. Es sieht nicht aus wie ein Laden – eher wie die Werkstatt eines Handwerkers. Keine glänzenden Auslagen, kein Verkaufsgeplänkel. Nur ein Ort, an dem Kürschner, Designer und Händler nach gegerbten Fellen, Rohpelzen oder ganzen Tierbälgen kommen.
Der Großteil des Geschäfts läuft online oder über Direktbestellungen ab. Die Website nimmt Anfragen entgegen, doch die eigentliche Arbeit – das Zubereiten der Felle, das Bearbeiten von Sonderwünschen – erfolgt in der Sophienblattstraße 63. Für die Öffentlichkeit geöffnet ist der Betrieb nur vormittags, von 10 bis 13 Uhr, montags bis freitags. Den Rest der Zeit dürften Termine oder digitale Aufträge den Alltag bestimmen.
Hier kauft niemand einfach mal so ein. Die Kundschaft besteht aus Branchenkenner: Designer, die Materialien beschaffen, Händler, die Ware suchen, oder jemand, der Pelz für ein Unikat benötigt. Die Felle kommen in verschiedenen Zuständen an – manche einsatzbereit, andere roh für die weitere Verarbeitung. Kein Schnickschnack, kein Aufschwatzen. Nur klare Geschäfte zwischen Leuten, die wissen, was sie tun.
Pelzhandwerk ist eine Nische, und gute Lieferanten zu finden, ist nicht immer einfach. Hier scheint der Fokus auf Qualität und Beständigkeit zu liegen, nicht auf Masse. Wie weit die Reichweite des Betriebs tatsächlich geht, lässt sich schwer sagen – es gibt keine Bewertungen, keinen stetigen Kundenstrom. Doch es gibt etwas seltsam Faszinierendes an einem Ort wie diesem, mitten in Kiels Stadtzentrum, umgeben von Büros und Cafés statt von Modeboutiquen. Ein stilles Relikt eines alten Handwerks in einer Stadt, die eher für Schiffe als für Pelze bekannt ist.
Wer tatsächlich auf der Suche nach Pelz ist, findet über die Website den besten Zugang. Oder man versucht es an einem Werktagvormittag mit einem spontanen Besuch. Nur sollte man keinen Showroom erwarten.






