Kiels vergessener Anker: Wie eine Flüchtlingsunterkunft das Viertel Wik prägt
Elias Hofmann
Kiels vergessener Anker: Wie eine Flüchtlingsunterkunft das Viertel Wik prägt
Die alte Marine-Technische Schule in der Arkonastraße beherbergt heute die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete Kiel-Wik – einen Ort, der mit der Zeit zu einem festen Bestandteil des Viertels geworden ist. Betrieben wird die Einrichtung von der Diakonie Altholstein im Auftrag der Stadt und bietet Geflüchteten eine Unterkunft, während sie sich durch den oft komplizierten Neuanfang in Deutschland kämpfen. Anders als die kleineren, über die Stadt verstreuten Wohnungen ist diese Unterkunft größer und bietet mehr als nur ein Dach über dem Kopf: Hier wird bei Behördengängen geholfen, bei der Jobsuche unterstützt – kurzum, bei all den bürokratischen Hürden, die vielen das Leben schwermachen.
Das Gebäude selbst ist typisch Kiel: schlicht, zweckmäßig, auf Funktion statt auf Ästhetik ausgelegt. Innen ist alles basic – Gemeinschaftsräume, gemeinsame Küchen, alles für kurze Aufenthalte gedacht, auch wenn manche am Ende monatelang bleiben. Die Mitarbeiter:innen und Ehrenamtlichen stemmen, was ansteht – Sprachbarrieren überwinden, Formulare ausfüllen, Kontakte zu lokalen Hilfsangeboten herstellen. Doch wie viel sie leisten können, hängt davon ab, wie sehr sie in der jeweiligen Woche schon am Limit sind.
Die Meinungen darüber gehen auseinander. Online steht die Unterkunft bei einer Bewertung von 2,3 – allerdings gibt es nur wenige Stimmen, sodass unklar ist, was das wirklich aussagt. Manche Anwohner:innen kritisieren die Veränderungen, die der Betrieb mit sich bringt; andere halten ihn für genau das, was die Stadt braucht. Fest steht: Die Einrichtung füllt eine Lücke, indem sie Menschen einen Ankerpunkt bietet – in einer Stadt, in der selbst Einheimische kaum noch bezahlbaren Wohnraum finden.
Wer Kontakt aufnehmen möchte – ob um zu helfen, Sachspenden abzugeben oder selbst Unterstützung zu suchen –, wird es nicht leicht haben, klare Infos zu finden. Die Adresse Arkonastraße 1, direkt am Wiker Ufer, ist zwar einfach zu finden. Doch wer herausfinden will, wann geöffnet ist oder an wen man sich wenden kann, braucht Geduld. Auf der Website der Diakonie könnten Antworten stehen, doch das Durchforsten dauert. Wie viele Einrichtungen in diesem Bereich sind auch sie damit beschäftigt, den Betrieb am Laufen zu halten – nicht mit Werbung. Sie sind da, tun, was sie können, auch wenn nicht alle genau hinschauen.
