Kiels bestgehütetes Geheimnis: Ein Friseursalon ohne Marketing – aber mit 4,9 Sternen
Nina Walter
Kiels bestgehütetes Geheimnis: Ein Friseursalon ohne Marketing – aber mit 4,9 Sternen
Margaritha Varletta liegt eingezwängt zwischen einem Café und ein paar Läden an der Holtenauer Straße – auf den ersten Blick wie jedes andere kleine Geschäft in Kiel. Doch wer dort war, scheint begeistert. Die Fassade ist unscheinbar, doch im Inneren machen sie offenbar alles richtig, wenn man den fast schon peinlich guten Bewertungen glaubt.
Keine grellen Schilder, keine Instagram-Werbung, keine Sprüche wie „Beste Friseurin der Stadt!“. Einfach ein ruhiger Ort, zu dem die Leute immer wiederkommen – und von dem sie ihren Freunden erzählen. Siebzehn Bewertungen, 4,9 Sterne – das ist kein Zufall. Ob Schnitt, Farbe oder Styling: Die Kunden gehen zufrieden raus. Vielleicht liegt es am Können, vielleicht an der Art, wie man dort mit den Menschen umgeht. Wahrscheinlich an beidem.
Viel über den Salon im Netz zu finden, ist allerdings Glückssache. Keine leicht auffindbare Website, keine Öffnungszeiten online. Man würde denken, das schadet dem Geschäft – doch das scheint es nicht. Wer hinwill, muss anrufen; schnelle Online-Buchung? Fehlanzeige. Manche mögen das umständlich finden, aber es bedeutet auch: keine anonymen Buchungssysteme, keine automatisierten Antworten. Einfach ein Telefonat – wie im Jahr 1995.
Der Laden liegt direkt bei der Uni, nah an den Bushaltestellen. So eine Art Ort, an dem man hundertmal vorbeiläuft, ohne ihn wahrzunehmen – bis jemand sagt: „Ach, probier doch mal diesen Salon aus.“ Und plötzlich wird einem klar: Ja, der war schon immer da.
Drinnen keine aufwendige Dekoration, kein verkaufsstrategisches „Erlebnis“. Einfach gute Haarschnitte. Ohne Schnickschnack, ohne Tricks.
Wer mehr Wert auf handwerkliche Qualität legt als auf Instagram-Ästhetik oder überdesignte Wartebereiche, ist hier richtig. Nach einer glatten Website kann man suchen, so lange man will – vergeblich. Manche Orte laufen noch immer über Mundpropaganda und gute Arbeit – nicht über Algorithmen.
