
Hempels e.V.: Ein Café, das Obdachlosen Würde und Wärme schenkt
Hempels e.V. ist seit über zwanzig Jahren in der Schaßstraße ansässig – nur wenige Schritte entfernt vom Trubel des Sophienblatts. Anders als die angesagten Cafés in der Nachbarschaft wirbt der Verein nicht um Besucherströme. Stattdessen ist es einfach ein Ort, an dem man sitzen, sich aufwärmen und wie ein Mensch behandelt werden kann – ohne Erklärungen, ohne Vorbedingungen.
Die Initiative arbeitet gemeinnützig und unterstützt vor allem Menschen, die von der Gesellschaft vergessen wurden. Viele kennen Hempels durch das Straßenmagazin, das von rund 240 Verkäufer:innen in ganz Schleswig-Holstein angeboten wird. Die meisten von ihnen sind obdachlos oder kämpfen sich gerade so durchs Leben. Sie behalten die Hälfte des Verkaufserlöses – nicht viel, aber immerhin etwas. Doch das Magazin ist nicht das Herzstück. Das eigentliche Zentrum von Hempels ist das Café Zum Sofa, ein schlichter, unprätentiöser Raum mit günstigem Kaffee, abgenutzten Stühlen und einer Politik der offenen Tür – ganz ohne Eintrittskontrolle.
Meist öffnet das Café um 16 Uhr, bleibt freitags länger geöffnet und hat samstags durchgehend geöffnet. Hier geht es nicht darum, stilvoll an teuren Drinks zu nippen – auch wenn es die gibt. Es geht um die Gemeinschaft, nicht um den Kaffee. Man trifft auf Menschen, die jahrelang auf der Straße lebten, andere, die gegen Sucht kämpfen, wieder andere, die versuchen, mit ein paar Euro über die Runden zu kommen. Es gibt einen Raum für kontrolliertes Trinken, eine Suppenküche und sogar Unterstützung bei der Wohnungsvermittlung für diejenigen, die wieder auf die Beine kommen wollen.
Das Besondere an Hempels ist seine Unperfektheit. Die Wände sind kahl, die Möbel gebraucht, und die Mitarbeiter:innen – einige von ihnen waren selbst schon in ähnlichen schwierigen Lagen wie die Gäste – geben sich nicht als Wohltäter:innen. Es ist einer der wenigen Orte, an denen jemand nach Monaten auf der Straße vorbeikommen kann, ohne befragt oder verurteilt zu werden. An den Wochenenden hört man vielleicht leises Gespräch oder ein Brettspiel in der Ecke – kleine Dinge, aber eine willkommene Abwechslung von der Einsamkeit, die das Nichts mit sich bringt.
Wer helfen möchte, kann am einfachsten das HEMPELS-Magazin bei einer der Verkäufer:innen auf der Straße erwerben. Auch das Café in der Schaßstraße 4 nimmt Spenden entgegen, ohne danach zu fragen. Die meisten Abende hat es geöffnet, am vollsten ist es samstags, wenn Menschen kommen, die sonst vielleicht nirgends hingehen können. Es ist kein Ort des Glanzes – und genau das ist der Punkt. Die wichtigen Orte werben selten für sich.







