09 May 2026, 14:08

Gedenkfeier in Halle (Saale) eskaliert: Politische Gräben überschatten Befreiungsjubiläum

Plakat zum 25. Jahrestag der Sowjetunion, das ein Schwarz-Weiß-Foto von Menschen mit einer Flagge zeigt, umgeben von Text und dekorativen Blättern.

Gedenkfeier in Halle (Saale) eskaliert: Politische Gräben überschatten Befreiungsjubiläum

Spannungen bei Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale)

Die Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) wurden von politischen Spannungen überschattet, die die eigentliche Erinnerungskultur in den Hintergrund drängten. Bei der Veranstaltung auf dem Südfriedhof wurde der Beitrag der Sowjetarmee und der US-Truppen zur Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands gewürdigt. Doch aktuelle politische Konflikte führten zu hitzigen Auseinandersetzungen unter den Teilnehmenden.

Die Gedenkveranstaltung begann mit einer Kranzniederlegung durch die stellvertretende Oberbürgermeisterin Dr. Judith Marquardt im Namen von Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt. Auf dem Friedhof ruhen die sterblichen Überreste von 977 sowjetischen Bürgern, obwohl Halle selbst 1945 von der US-Armee befreit wurde.

Gisela Döring von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ehrte die Widerstandskämpfer, die unter der NS-Herrschaft ihr Leben riskierten. Lukas Wanke, ebenfalls von der VVN-BdA, betonte, dass der Kampf gegen den Faschismus noch nicht beendet sei und heute noch relevance besitze. Gleichzeitig warnte er davor, das Vermächtnis der Roten Armee als Rechtfertigung für heutige Ungerechtigkeiten zu instrumentalisieren.

Für Aufruhr sorgte das Erscheinen von Mitgliedern der „Haller Bewegung“, die mit russischen Fahnen und Symbolen auftraten. Die Veranstalter warfen der Gruppe vor, die rechtspopulistische AfD und Russlands Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Eric Stehr, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken in Sachsen-Anhalt, mahnte, sich nicht mit autoritären Regimen gemein zu machen – eine Aussage, die die Debatte weiter anheizte.

Das Denkmal selbst bleibt ein Ort tiefer Symbolkraft, der sowohl die Opfer der Sowjetarmee als auch die entscheidende Rolle der US-Truppen bei der Befreiung der Stadt würdigt. Die Veranstaltung unterstrich die anhaltende Bedeutung des Widerstands gegen den Faschismus. Doch die Präsenz politischer Symbole und gegenseitige Vorwürfe offenbarten tiefe Gräben unter den Anwesenden. Am Ende gab es Appelle, das Erbe der Antifaschisten hochzuhalten und gleichzeitig heutigen Extremismus entschieden abzulehnen.

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