Fußball-WM weckt deutschen Nationalstolz – doch nur für wenige Wochen
In Deutschland fällt der offene Umgang mit nationaler Identität oft schwer. Öffentliche Kundgebungen des Patriotismus sind selten, und viele empfinden sie als unangenehm. Doch alle vier Jahre ändert sich diese Stimmung mit der Fußball-Weltmeisterschaft.
Während großer Turniere füllen sich die deutschen Straßen mit Flaggen und Farben. Familien schmücken Autos und Häuser, getragen von einer vorübergehenden Welle des Nationalstolzes. Eine Familie erinnerte sich, wie ihr jüngster Sohn vor einer jüngeren WM den Familienwagen mit Deutschlandfahnen dekorierte.
Doch dieser Wandel ist nur von kurzer Dauer. Die linksliberale Elite meidet in der Regel offene patriotische Gesten, und auch frühere Führungspersönlichkeiten zeigten sich zurückhaltend. Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel verwendete selten Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. 2013 nahm sie an ihrem Wahlabend sogar Hermann Gröhe eine Deutschlandfahne ab, als dieser damit wedelte.
Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm brachte die patriotische Euphorie der WM 2006 mit dem späteren Aufstieg von Gruppen wie Pegida und der AfD in Verbindung. Die Sendung deutete an, dass das Turnier bestimmte Formen des Nationalismus normalisierte, die später in der Politik wieder aufkamen.
Die Weltmeisterschaft bleibt eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Deutsche ihren Nationalstolz offen zeigen. Für viele ist dies ein flüchtiger Moment, begrenzt auf die Dauer des Turniers. Abseits solcher Ereignisse bleiben solche Bekundungen weitgehend gedämpft.







