Fünf neue Traditionen werden zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands ernannt
Nina WalterFünf neue Traditionen werden zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands ernannt
Fünf neue Traditionen sind in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen worden. Die Liste umfasst nun die Straßenfußballkultur, die Maßschneiderei, die Martinsbräuche, die Schaustellertraditionen auf Volksfesten sowie den kleinteiligen Küstenfischfang. Vertreter aus Politik und Kultur lobten die Auswahl als Spiegelbild der vielfältigen und lebendigen kulturellen Praktiken des Landes.
Das Verfahren begann mit Vorschlägen, die vom Fachausschuss Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission geprüft wurden. Nach einem mehrstufigen Bewertungsprozess gaben die Kultusministerkonferenz und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien grünes Licht für die Neuzugänge. Das Verzeichnis vereint damit 173 lebendige Traditionen, die über Generationen weitergegeben werden.
Die neu anerkannten Bräuche reichen von städtischen bis zu ländlichen Kontexten. Die Bolzplatzkultur – der in Nachbarschaften verwurzelte Straßenfußball – findet sich nun neben dem präzisen Handwerk der Herrenschneiderei wieder. Regionale Gepflogenheiten wie die Martinsfeiern im Rheinland oder die lebhafte Schaustellerkultur auf Volksfesten wurden ebenfalls aufgenommen. Den Abschluss bilden traditionelle kleinteilige Fischereimethoden in der Ostsee und den Boddengewässern.
Deutschland ist seit 2013 Teil des UNESCO-Übereinkommens und gehört damit zu 185 Staaten, die die Konvention von 2003 ratifiziert haben. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission, betonte, dass immaterielles Erbe dort entstehe, wo Menschen miteinander agieren, Wissen teilen und Traditionen gemeinsam gestalten. Katharina Binz, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, unterstrich, dass diese Praktiken nur dann lebendig bleiben, wenn sich Gemeinschaften aktiv in sie einbringen.
Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, bezeichnete das immaterielle Kulturerbe als die "lebendige Wurzel" moderner Identität. Das Verzeichnis feiert kreative, inklusive und sich weiterentwickelnde Ausdrucksformen, die Vergangenheit und Gegenwart verbinden.
Mit den fünf Neuzugängen steigt die Zahl der anerkannten Traditionen in Deutschland auf 173. Die Ergänzungen unterstreichen das Engagement des Landes, kulturelle Praktiken zu bewahren, die durch gesellschaftliche Teilhabe lebendig bleiben. Offizielle Stimmen betonten, wie wichtig es ist, solche Bräuche im Alltag lebendig zu halten.






