Friedrich Merz fordert Europas Abkehr von US-Abhängigkeit – doch gelingt der Plan?
Elias HofmannMerz fordert größeren EU-Unabhängigkeit von den USA - Friedrich Merz fordert Europas Abkehr von US-Abhängigkeit – doch gelingt der Plan?
Bundeskanzler Friedrich Merz drängt die EU zu größerer Unabhängigkeit von den USA
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Europäische Union aufgefordert, sich stärker von den Vereinigten Staaten zu emanzipieren. Sein Appell kommt angesichts wachsender Spannungen zwischen den beiden Verbündeten, bei denen Handelskonflikte, Sicherheitsfragen und globale Machtkämpfe in den letzten Monaten an Schärfe gewonnen haben. Merz betonte, Europa müsse sich reformieren, um seine wirtschaftliche Stärke und politische Souveränität zurückzugewinnen.
In einer Rede Anfang 2024 wies Merz auf die sich vertiefenden Risse im transatlantischen Verhältnis hin. US-Präsident Trump hatte mit Strafzöllen auf EU-Waren gedroht, nachdem ein Streit um Grönland eskaliert war – ein Schritt, den er erst nach einer geschlossenen europäischen Reaktion zurücknahm. Das EU-Parlament lehnte später ein als einseitig zugunsten der USA bewertetes Handelsabkommen ab und kündigte Gegenmaßnahmen im Wert von 93 Milliarden Euro an. Die Spannungen verschärften sich weiter, als Trump die Rolle der NATO in Afghanistan kritisierte und damit scharfe Kritik von Merz erntete. Eine US-Militäroperation in Venezuela ohne Absprache mit der EU belastete das Verhältnis zusätzlich.
Merz bedauerte zwar die Entwicklung, machte aber deutlich, dass sich die Beziehungen grundlegend verändert hätten. Europa müsse nun auf eigene Stärke setzen – vor allem in den Bereichen Technologie und Verteidigung. Seine Vision ist ein souveränes, wirtschaftlich dynamisches Europa, das mit aufstrebenden demokratischen Staaten kooperiert, die europäische Waren und Dienstleistungen nachfragen.
Um dies zu erreichen, schlug Merz eine radikale Rückkehr zu grundlegenden Prinzipien vor: Ehrgeiz, Mut und entschlossenes Handeln. Deutschland könnte seiner Ansicht nach ein Netzwerk agiler, souveräner Staaten anführen, die Freihandel und Multilateralismus fördern. Eine Reform der EU sei dringend nötig, um Wachstumspotenziale zu erschließen und Überregulierung abzubauen, argumentierte er.
Merz' Forderung nach mehr europäischer Autonomie folgt auf konkrete Konflikte mit den USA in den Bereichen Handel, Sicherheit und globale Strategie. Sein Plan zielt auf Eigenständigkeit in Technologie, Verteidigung und Wirtschaftspolitik ab. Das Ziel ist ein Europa, das als starker, unabhängiger Akteur in einer sich wandelnden Weltordnung besteht.
