EVP bricht mit Brandmauer: Weber riskiert Bruch mit Merz und SPD
Ein Strategiewechsel der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament hat in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Unter der Führung von Manfred Weber hat sich die Gruppe von der Ablehnung jeglicher Zusammenarbeit mit Rechtsextremen hin zu einer engen Kooperation in der Migrationspolitik bewegt. Dieser Wandel folgt monatelanger Abstimmung hinter den Kulissen, darunter eine WhatsApp-Gruppe und ein kürzliches Treffen zur Verschärfung der Asylregeln.
Der Schritt stößt auf scharfe Kritik von Friedrich Merz und anderen deutschen Politikern, die Weber vorwerfen, langjährige Prinzipien zu untergraben. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Bayern und Hessen eine wachsende Unterstützung für die AfD, was den Druck auf die etablierten Parteien erhöht, ihre Haltung zu überdenken.
Noch bis Ende letzten Jahres betonte Manfred Weber, die EVP halte eine strikte "Brandmauer" gegen rechtsextreme Kräfte aufrecht und lehnte jede formelle Zusammenarbeit ab. Doch aktuelle Berichte bestätigen nun gemeinsame Initiativen in der Migrationspolitik, darunter eine WhatsApp-Gruppe mit rechtsextremen Europaabgeordneten sowie ein vertrauliches Treffen zur Abstimmung der Positionen. Bereits die frühere Zusammenarbeit beim EU-Lieferkettengesetz hatte für Irritationen gesorgt.
Die Reaktionen in Deutschland folgten prompt. Friedrich Merz verurteilte Webers Vorgehen und forderte einen sofortigen Stopp sowie mögliche Konsequenzen. Seine Kritik reiht sich ein in die breite Empörung von Politikern, die den Kurswechsel der EVP als Verrat an demokratischen Werten sehen. SPD-Abgeordnete drohten ihrerseits, jede Migrationsresolution zu blockieren oder abzuschwächen, mit der Begründung, sie riskiere eine Legitimierung extremistischer Einflüsse.
Gleichzeitig offenbarten die Kommunalwahlen in Bayern und Hessen einen Zuwachs für die AfD, wobei in immer mehr Gemeinden die traditionelle Brandmauer bröckelt. Dieser Wahltrend hat die Debatte befeuert, ob strengere Migrationspolitiken auf Landes- und Bundesebene an Fahrt gewinnen könnten – vorausgesetzt, die politischen Führungskräfte setzen sie durch.
Der Streit legt zudem die Spannungen innerhalb der deutschen Koalitionsregierung offen. Maßnahmen zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber, die national beschlossen wurden, scheiterten in Brüssel am Widerstand sozialdemokratischer Europaabgeordneter, die mit Grünen und Linksparteien zusammenarbeiteten. Charlie Weimers von den Schwedendemokraten argumentierte, "Europa könne nicht länger von Berlins Brandmauer-Logik in Geiselhaft genommen werden" – ein Statement, das die Frustration rechtspopulistischer Kreise widerspiegelt.
Beobachter fragen sich nun, ob das mühsam errungene Migrationsabkommen unter dem Druck zerbricht. Unionspolitiker sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, linkem Druck nachzugeben, während Merz' Haltung ihn überraschend mit dem rot-grünen Establishment verbündet – ein schwieriger Balanceakt für CDU und CSU.
Der veränderte Umgang der EVP mit rechtsextremer Zusammenarbeit hat in Deutschland einen politischen Sturm entfacht. Angesichts der AfD-Gewinne bei Kommunalwahlen und der inneren Zerrissenheit in der Migrationsfrage ist die Debatte noch lange nicht beendet. Jede Lösung droht nun Verzögerungen, Verwässerung oder gar eine komplette Ablehnung – je nachdem, wie die Abgeordneten mit den wachsenden Spannungen umgehen.






