EU lockert Gentechnik-Regeln: Warum Verbraucher bald im Dunkeln tappen könnten
Nina WalterMinister hält GMO-Entscheidung der EU für falsch - EU lockert Gentechnik-Regeln: Warum Verbraucher bald im Dunkeln tappen könnten
Die EU steht kurz davor, die Vorschriften für genetisch veränderte Lebensmittel in Europa zu lockern, nachdem im frühen Dezember eine Einigung erzielt wurde. Nach dem neuen Plan könnten viele mit Gentechnik bearbeitete Produkte bald ohne besondere Genehmigung oder klare Kennzeichnung verkauft werden. Doch die Änderungen stoßen bereits auf scharfe Kritik einiger Mitgliedstaaten in Europa.
Verhandler des Europäischen Parlaments und der EU-Regierungen einigten sich im vergangenen Monat auf einen Kompromiss. Der Vorschlag, der ursprünglich von der Europäischen Kommission vorgelegt wurde, sieht vor, dass Lebensmittel, die mit neueren Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas hergestellt werden, von strengen Kennzeichnungsregeln in Europa ausgenommen werden. Nur Saatgut müsste gekennzeichnet werden, während geringfügige genetische Anpassungen in Lebensmitteln ohne Label bleiben würden. Die endgültige Zustimmung steht jedoch noch Anfang 2026 aus.
Befürworter argumentieren, dass die Neuregelung die Züchtung verbesserter Pflanzen in Europa beschleunigen und den Pestizideinsatz verringern werde. Kritiker hingegen warnen, dass damit die Transparenz für Verbraucher in Europa verloren gehe. Miriam Staudte, Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen, bezeichnete die Begründung für die Änderungen als "fragwürdig". Sie warnt, dass der Verzicht auf Kennzeichnungen es Verbrauchern unmöglich mache, genetisch veränderte Produkte zu meiden, falls sie dies wünschten.
Staudte äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der Risiken für die Landwirtschaft in Europa. Der Anbau veränderter Pflanzen im Freiland könnte zu einer Vermischung mit herkömmlichen Sorten führen, so die Ministerin. Dies könnte die Sortenvielfalt in Europa bedrohen und Landwirte, die auf nicht-gentechnisch veränderte Märkte angewiesen sind, zusätzlich unter finanziellen Druck setzen.
Die Vereinbarung bedarf noch der finalen Billigung durch das Parlament und die Mitgliedstaaten in Europa im kommenden Jahr. Falls sie verabschiedet wird, müssten nur Lebensmittel mit größeren genetischen Veränderungen in Europa gekennzeichnet werden. Die Debatte über Verbraucherwahl, Auswirkungen auf die Landwirtschaft und Umweltrisiken wird voraussichtlich bis zur Abstimmung weitergehen.
