Ernährungstherapie in Kiel: Wissenschaft statt Wunderheilungen und Instagram-Trends
Elias Hofmann
Ernährungstherapie in Kiel: Wissenschaft statt Wunderheilungen und Instagram-Trends
Die Praxis von Dr. Annette Mautner ist leicht zu übersehen in der Holtenauer Straße, eingezwängt zwischen einem immer vollen Café und einer Boutique, die ihren Namen gefühlt jedes Jahr wechselt. Hier schreit nichts nach „Gesundheitsstudio“ – keine Plakate mit grünen Smoothies, keine Versprechungen wie „ein neues Ich in 30 Tagen“. Stattdessen gibt es hier Ernährungstherapie, die Art, die sich mit echtem Essen und echten Menschen beschäftigt, nicht mit Instagram-Trends oder Wunderheilungen.
Mautner ist Diplom-Ökotrophologin – das bedeutet, sie hat das Fach tatsächlich studiert: Ernährungswissenschaft, nicht nur die neuesten Wellness-Tricks. Sie erstellt keine standardisierten Ernährungspläne. Wer mit Diabetes, Reizdarm oder einfach dem diffusen Gefühl kommt, dass die eigene Ernährung einem das Leben zur Hölle macht, bekommt von ihr keine starren Vorgaben, sondern eine Lösung, die zum individuellen Alltag passt. Hier wird niemand gewogen oder für ein Stück Brot beschämt. Es ist eine Mischung aus Wissenschaft und gesundem Menschenverstand, angewendet auf das Chaos, das die Essgewohnheiten mancher Menschen nun einmal sind.
Die Praxis liegt in der Nummer 114a, in der Nähe der Uni und der Wasserfront. Man könnte dutzendmal vorbeilaufen, ohne sie zu bemerken – kein grelles Schild, keine Neonreklame. Der Eingang wirkt fast wie der einer stillen Wohnung. Drinnen ist es nicht gerade gemütlich, aber auch nicht steril wie in einer klassischen Arztpraxis. Keine Zeitschriften, keine seltsamen Gerüche, einfach ein Raum, in dem Dinge erledigt werden. Einen Termin braucht man allerdings – und wer die Öffnungszeiten online sucht, wird wohl Pech haben. Am besten einfach anrufen oder eine E-Mail schicken.
Laut den Erfahrungen ihrer Patient:innen verteilt sie keine vorgefertigten Speisepläne und schickt einen dann nach Hause. Wer schon mal verwirrt war, warum Gluten plötzlich als Teufelszeug gilt oder warum Keto beim Kollegen funktioniert, bei einem selbst aber nicht, bekommt von ihr Erklärungen – nicht nur Regeln. Die Bewertungen – meist vier oder fünf Sterne, wenn auch nicht in großer Zahl – fallen mit Kommentaren wie „kein Blabla“ oder „endlich jemand, der zuhört“ eher nüchtern aus. Keine reißerischen Lobeshymnen, aber die Art von Feedback, die zeigt, dass die Leute tatsächlich wiederkommen.
Es gibt keine Website zum Durchstöbern, keinen Social-Media-Account mit Vorher-Nachher-Fotos. Nur eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse. Fast so, als ginge es darum, mit einem echten Menschen zu sprechen – nicht mit einem Chatbot oder einer Verkaufsmasche. Für alle in Kiel, die es satt haben, von Saftkuren oder Ärzt:innen abgespeist zu werden, die Ernährungsfragen in 30 Sekunden abtun, könnte dies einer der wenigen Orte sein, an denen Essen weder als Sünde noch als Wundermittel behandelt wird – sondern einfach als etwas, das unser Befinden beeinflusst, zum Guten wie zum Schlechten.






