Ernährungsberatung ohne Moralpredigten: Warum Frauke Baumgartner anders ist
Elias Hofmann
Ernährungsberatung ohne Moralpredigten: Warum Frauke Baumgartner anders ist
Frauke Baumgartners Ernährungsberatung liegt am Isarweg, nur wenige Gehminuten entfernt von den belebteren Straßen rund um das Sophienblatt. Keine grellen Schriftzüge oder knalligen Farben markieren die Tür – nur ein kleines Schild mit ihrem Namen. Drinnen fühlt es sich nicht wie eine Praxis an. Eher wie ein Wohnzimmer, wenn in diesem Wohnzimmer auch ein Aktenschrank und eine Personenwaage in der Ecke stünden.
Baumgartner ist staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, doch sie bietet keine schnellen Lösungen oder radikalen Pläne an. Stattdessen spricht sie über Essen, ohne dass man die Augen verdrehen möchte. Keine Moralpredigten über Willenskraft, keine Wunder-Lebensmittel – einfach nur die Frage, was für den Menschen gegenüber tatsächlich funktioniert. Manche Klienten brauchen Hilfe bei medizinischen Themen wie Diabetes oder Allergien. Andere möchten nur aufhören, sich schuldig zu fühlen, wenn sie ein Stück Kuchen essen.
Die Praxis ist nicht für spontane Besuche eingerichtet. Man findet keine Öffnungszeiten im Internet, und es gibt keinen Instagram-Account mit Fotos von Smoothie-Bowls. Wer einen Termin möchte, ruft an oder schreibt eine E-Mail. Oder, falls man ohnehin in der Südstadt unterwegs ist, kann man einfach an der Isarweg 12 klopfen und eine Notiz hinterlassen. Etwas altmodisch vielleicht, aber diejenigen, die sie finden, scheinen genau das zu schätzen. Ihre Bewertungen sind durchgehend mit fünf Sternen versehen – wenn auch nicht in großer Zahl, aber genug, um klarzumachen, dass sie etwas richtig macht.
Am überraschendsten ist vielleicht, wie wenig sie ihre eigene Agenda durchsetzt. Keine starren Regeln, kein Einheitsplan für alle. Eine besorgte Mutter kommt vielleicht, weil ihr Kind keine Gemüse essen will; ein Büroangestellter möchte nicht mehr jeden Nachmittag um 15 Uhr in ein Energietief fallen. Baumgartner passt sich an, statt zu beharren.
Hier wird kein „neues Ich in 30 Tagen“ versprochen. Aber wer die endlose Diskussion darüber satt hat, was man eigentlich essen sollte, könnte es mit einem Besuch versuchen. Nur sollte man keine aufdringliche Werbekampagne erwarten, die einen dorthin führt.






