Dresdens verbotene Kunst: Wie eine Generation die DDR herausforderte
Elias HofmannDresdens verbotene Kunst: Wie eine Generation die DDR herausforderte
Dresden war einst das Zentrum der offiziellen Kunstszene der DDR, Heimat der renommierten Hochschule für Bildende Künste. Jahrzehntelang vertrat die Institution den Sozialistischen Realismus als vom Staat bevorzugten Stil. Doch ab den späten 1970er-Jahren begann eine neue Generation von Künstlern, sich von diesen Vorgaben zu lösen – sie stellten die Autoritäten infrage und prägten aus dem Untergrund und privaten Galerien heraus die kulturelle Landschaft des Landes neu.
Den Anfang machten Absolventen der Hochschule für Bildende Künste, darunter Eberhard Göschel, Hans Scheib und Cornelia Schleime. Statt sich an den staatlich verordneten Sozialistischen Realismus zu halten, ließen sie sich von den expressionistischen Traditionen der Brücke-Bewegung inspirieren – einem Stil, den die DDR längst verworfen hatte.
1977 gründete Eberhard Göschel in Dresden die Obergrabenpresse, eine Plattform für inoffizielle Kunst. Drei Jahre später eröffnete Hans Scheib in Berlin-Prenzlauer Berg und in der Sredzkistraße 64 private Ausstellungsräume. Diese Orte entwickelten sich zu zentralen Treffpunkten für Künstler, die Grenzen überschritten. Zu ihnen zählten Helge Leiberg und Schleime, die thematische Gruppenausstellungen organisierten, die offen gegen die staatliche Kontrolle rebellierten.
Der Wendepunkt kam 1982: Göschel und Leiberg kuratierten Ausstellungen im Leonhardi-Museum in Dresden-Loschwitz, woraufhin die Behörden das Haus vorübergehend schließen ließen. Die Repressionen gingen über Schließungen hinaus: Künstler erhielten Ausstellungs- und Aufführungsverbote, verloren den Zugang zu Aufträgen über den Verband Bildender Künstler und wurden vom Ministerium für Staatssicherheit überwacht. Trotz der Unterdrückung fand ihre Arbeit im Ausland Beachtung.
Bis 1989 hatten die meisten dieser Künstler – darunter Schleime, Scheib und Leiberg – die DDR in Richtung Westdeutschland verlassen. Eberhard Göschel blieb einer der wenigen, die im Osten blieben und ihre unabhängige Arbeit unter ständiger Beobachtung des Staates fortsetzten.
Die alternative Kunstbewegung der 1980er-Jahre hinterließ bleibende Spuren in der Kulturgeschichte der DDR. Zwar emigrierten viele ihrer prägenden Figuren, doch ihr Widerstand gegen die staatlichen Normen hatte bereits Freiräume für künstlerische Entfaltung geschaffen. Das Erbe ihrer Ausstellungen, Publikationen und ihres Widerstands wirkt weit über den Fall der Berliner Mauer hinaus nach.






