Disziplinarverfahren gegen Lehrkräfte in Schleswig-Holstein explodieren um 84 Prozent
Nina WalterDisziplinarverfahren gegen Lehrkräfte in Schleswig-Holstein explodieren um 84 Prozent
Disziplinarverfahren gegen Lehrkräfte in Schleswig-Holstein steigen stark an
In Schleswig-Holstein haben sich die Disziplinarverfahren gegen der lehrer in den letzten Jahren deutlich erhöht. Zwischen 2020 und 2024 stieg die Zahl der Verfahren um fast 84 Prozent. Das Bildungsministerium des Landes hat nun eine zusätzliche Stelle beantragt, um die wachsende Arbeitsbelastung zu bewältigen.
Allein im Jahr 2023 wurden 57 neue Fälle eingeleitet, in diesem Jahr kamen bereits 40 hinzu. Als Hauptgrund für den Anstieg nennen Beamte ein gestiegenes Problembewusstsein bei Eltern, Schülern und Mitarbeitern.
Die häufigsten Verstöße im Jahr 2023 betrafen sexuelles Fehlverhalten, das in 14 Fällen eine Rolle spielte. Sieben weitere Fälle resultierten aus Verstößen gegen Nebentätigkeitsregeln, während jeweils sechs Fälle auf verbale Übergriffe und die Weigerung, dienstliche Pflichten zu erfüllen, zurückgingen.
Etwa 15 Prozent der Ermittlungen erfordern aufwendige Zeugenbefragungen, weitere 20 Prozent gelten als besonders komplex. Das Ministerium betont, dass die Gesamtzahl im Vergleich zur gesamten Lehrerschaft niedrig bleibe. Gleichzeitig räumt es ein, dass Hinweise – darunter auch Meldungen US-amerikanischer Behörden zu möglichen Verstößen im Zusammenhang mit Kinderpornografie – zum Anstieg beigetragen haben. Auch neue Gesetze könnten die Verfahren beschleunigen. Ein Bundesgesetz zur Beschleunigung von Disziplinarverfahren trat im April 2024 in Kraft, Hamburg führte im Januar 2025 eigene Änderungen ein. Diese Reformen könnten indirekt die Fallzahlen erhöhen, indem sie die Abläufe effizienter gestalten.
Beate Raudies, die öffentlich-rechtliche Sprecherin der SPD, äußerte sich besorgt über die Entwicklung. Sie warnt, dass eine wachsende Zahl von Ermittlungen das Vertrauen der Öffentlichkeit in Schulen und Lehrkräfte untergraben könnte.
Das Bildungsministerium wies Vorwürfe eines systemischen Versagens zurück und betonte, dass der Anstieg auf eine bessere Meldepraxis und nicht auf weitverbreitetes Fehlverhalten zurückzuführen sei. Mit bereits 40 laufenden Fällen in diesem Jahr soll die zusätzliche Stelle die Belastung des Systems verringern. Die langfristigen Auswirkungen auf die Motivation der Lehrkräfte und das öffentliche Bild bleiben jedoch abzuwarten.
