
Das unsichtbare Unternehmen in Kiel, das die Welt am Laufen hält
Das Gebäude in der Hopfenstraße 1d in Kiel wirkt auf den ersten Blick nicht gerade wie der Sitz eines global agierenden Unternehmens. Kein großes Logo, keine belebte Rezeption mit Besuchern – nur ein schlichtes Büro, eingezwängt zwischen anderen Gewerbeeinheiten am Stadtrand. Doch hinter diesen Mauern ist die Memcon GmbH Teil eines Netzwerks, das hochspezialisierte Materialien weltweit verschifft – Komponenten, die in allem von Armaturenbrettern bis hin zu Krankenhausgeräten verbaut werden.
Hier werden keine Endprodukte hergestellt, sondern die unscheinbaren Bauteile, die darin verbaut werden: dünne Kunststofffolien, klebrige Haftmaterialien, leitfähige Schichten – Dinge, an die die meisten Menschen nie denken. Die Kieler Niederlassung kümmert sich um den deutschen Markt, während der Rest des Unternehmens mit Standorten in Großbritannien, den USA und Produktionszentren wie Shenzhen operiert. Kein Ladengeschäft, keine Laufkundschaft. Wer nicht aus der Branche kommt, würde wohl vorbeifahren, ohne das Gebäude überhaupt zu bemerken.
Auf der Website sucht man vergeblich nach einer Telefonnummer. Keine Öffnungszeiten, keine glanzvollen Produktfotos – nur technische Datenblätter und Kontaktformulare. Denn die Kunden sind keine zufälligen Käufer, sondern Ingenieure und Fabriken, die präzise Materialien benötigen, pünktlich geliefert. Eine Arbeit, die Lieferketten am Laufen hält, aber selten Schlagzeilen macht.
Membranschalter klingen nach einem Nischenprodukt, doch jeder hat sie schon benutzt – die gummiartigen Tasten an Mikrowellen oder die Touchpanels an Maschinen. Memcon sorgt dafür, dass diese Teile den richtigen Standards entsprechen, egal ob sie an einen deutschen Autohersteller oder eine chinesische Elektronikfabrik gehen. Präzise, unauffällige Arbeit, die keinen Applaus braucht.
Für Kiel ist Memcon eines dieser stillen Unternehmen, die in keinem Touristenprospekt auftauchen. Der Hafen und die Werften stehen im Rampenlicht, doch Betriebe wie dieser sind ebenfalls Teil der städtischen Wirtschaft – nur ohne großes Aufsehen. Die meisten Einheimischen wissen wahrscheinlich nicht einmal von seiner Existenz. Doch für die richtigen Kunden ist es ein unverzichtbarer Knotenpunkt in einem viel größeren System.







