08 May 2026, 18:32

Brotgarten am Exerzierplatz: Wo Bio-Brot noch nach Handwerk schmeckt

Keine Fabriknachbackwaren, keine Zuckerfalle: Hier duftet es nach Roggen, Sauerteig und Geduld. Wer echtes Brot sucht, wird am Exerzierplatz fündig – seit Jahren.

Brotgarten am Exerzierplatz: Wo Bio-Brot noch nach Handwerk schmeckt

Der Brotgarten am Exerzierplatz – Nummer 7, direkt am Rand des Platzes – gibt sich keine Mühe, besonders schick zu wirken. Hier wird einfach gutes Brot nach alter Art gebacken, mit ein paar modernen Feinheiten, die alles ehrlich halten. Keine Fabriknachbackwaren oder traurige, in Folie eingeschweißte Croissants. Stattdessen bekommt man Sauerteig, der Zeit zum Fermentieren hatte, schwere Vollkornlaibe und Gebäck, das tatsächlich nach Mehl und Butter schmeckt – nicht nach Zuckerbomben.

Der Laden gehört zu jener regionalen Brotgarten-Kette, die sich auf Bio-Mehl und Zutaten aus der Umgebung konzentriert, ohne groß Werbung daraus zu machen. Wer früh kommt – und zwar richtig früh, wenn um 6:30 Uhr geöffnet wird –, den schlägt der Duft schon entgegen, bevor man die Theke überhaupt sieht: frisches Roggenbrot aus dem Ofen, dieser buttrige Plunderteilchen-Geruch. Die Auswahl ist nicht riesig, aber durchweg solide. Das Vollkornbrot knirscht beim Biss von den Körnern, die Dinkelbrötchen halten der Butter stand, ohne auseinanderzufallen, und am Wochenende hat man mit Glück vielleicht einen Bienenstich oder einen ordentlichen Apfelkuchen als Dessert. Keine Regenbogenstreusel, keine labbrigen, von gestern übrig gebliebenen Teilchen. Nur Brot, Getreide und Zeit.

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Hier trifft man eine bunte Mischung: Studierende, die sich schnell ein Brötchen für die Vorlesung schnappen, Büroangestellte in der Mittagspause, Stammkunden, die seit Jahren kommen. Morgens ist viel los mit Leuten, die ihre Frühstücksbrötchen abholen; nachmittags sitzen einige länger bei Kaffee und Käsekuchen. Das Personal ist nicht langsam, aber es hetzt auch nicht. Eher Kiel als Berlin – was bedeutet, dass sie einem auf Nachfrage geduldig den Unterschied zwischen Roggenmischbrot und Weizenvollkorn erklären.

Die Preise liegen etwas über denen des Supermarkts, aber nicht übertrieben: 4 bis 6 Euro für ein anständiges Brot, um die 5 Euro für Kaffee und ein Teilchen. Man zahlt für Bio-Mehl, keine komischen Zusätze und Dinkel, der wahrscheinlich von einem Hof irgendwo bei Schleswig kommt.

Für eine Bäckerei hat der Laden lange geöffnet: unter der Woche von 6:30 bis 18 Uhr, samstags bis 13 Uhr. Sonntags geschlossen, wie die meisten Läden. Wer in der Nähe der Uni oder des Sofienblatts unterwegs ist, kommt leicht vorbei. Man könnte vorbestellen oder auf der Website nachschauen, aber eigentlich ist es am besten, einfach spontan vorbeizuschauen.

Hier gibt es keinen Avocado-Toast und keine überladenen Torten für Instagram. Einfach nur … Brot, das nach Brot schmeckt. Gebäck, bei dem man sich nicht fühlt, als hätte man gerade einen Schokoriegel gegessen. Für Kieler, die lieber etwas Gutes als etwas Schnelles wollen, ist der Brotgarten zu so einem Ort geworden, an dem man landet, ohne groß darüber nachzudenken. Kein hochtrabendes Mission Statement, kein Hype – einfach eine Bäckerei, die ihr Handwerk versteht.