Berliner Schulreform: Strengere Kontrollen und digitale Klassenbücher geplant
Finn FuchsBerliner Schulreform: Strengere Kontrollen und digitale Klassenbücher geplant
Berliner Schulen vor großen Veränderungen: Senat billigt Entwurf zur Reform des Schulgesetzes
Die Berliner Schulen stehen vor tiefgreifenden Änderungen, nachdem der Senat der Stadt einen Entwurf zur Novelle des Schulgesetzes gebilligt hat. Die neuen Regelungen zielen darauf ab, die Bildungsqualität durch strengere Lernstandskontrollen, digitale Systeme und Maßnahmen gegen Schulschwänzen zu verbessern. Der Entwurf geht nun an das Abgeordnetenhaus, wo er debattiert und endgültig beschlossen werden soll.
Im Mittelpunkt der Reform steht eine engmaschigere Überwachung des schulischen Fortschritts. Schulen sollen künftig standardisierte Daten und Vergleichstests nutzen, um die Leistungen der Schülerinnen und Schüler regelmäßig zu bewerten. Die Verantwortlichen erhoffen sich davon, Wissenslücken früher zu erkennen und die Unterrichtsmethoden gezielt anpassen zu können.
Das Gesetz sieht zudem verschärfte Kontrollen bei unentschuldigten Fehlzeiten vor. Schüler mit häufigen, unerklärten Abwesenheiten könnten verpflichtet werden, einen Amtsarzt aufzusuchen. Diese Maßnahmen gelten nicht für Kinder mit chronischen Erkrankungen, sondern richten sich gegen Fälle, in denen Fehlzeiten auf Vernachlässigung oder Kindeswohlgefährdung hindeuten könnten.
Digitale Systeme werden eine größere Rolle spielen: Klassenbücher, Zeugnisse und Schülerausweise sollen online geführt werden. Der Entwurf enthält außerdem Leitlinien zum Einsatz von künstlicher Intelligenz im Unterricht. Zudem werden die Übergänge in die weiterführende Bildung neu geregelt.
Erfahrungen aus anderen Regionen liefern gemischte Erkenntnisse. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen führten standardisierte Tests zwar zu mehr Transparenz, hatten aber ohne zusätzliche Lehrerfortbildungen kaum Einfluss auf die Lernerfolge. In Wien und Zürich stieg die Unterrichtsqualität, wenn Daten gezielt für die Unterrichtsgestaltung genutzt wurden, während Kopenhagens Fokus auf formativer Leistungsbewertung die Motivation der Schüler steigerte – wenn auch die Lernergebnisse zwischen den verschiedenen Ansätzen ähnlich blieben.
Der Gesetzentwurf geht nun ins Abgeordnetenhaus zur weiteren Beratung. Bei einer Verabschiedung werden die Änderungen die Art und Weise verändern, wie Berliner Schulen Lernfortschritte überwachen, mit Fehlzeiten umgehen und Technologie einsetzen. Ziel ist ein flexibleres und zukunftsfähiges Bildungssystem.






